Es verrottet zu langsam

Im grünen Bereich

Katja Fischer De Santi
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Es gibt da etwas, das meine gärtnerische Frühlingseuphorie jedes Jahr arg dämpft. Es ist der Anblick unseres Komposts. Also unserer Komposte. Plural, weil da in der Tat mehrere dieser unschönen Gebinde und Gitter an den peripheren Ecken des Gartens stehen. Und alle sind sie irgendwie immer voll. Immer. Da ist einfach stets zu viel Laub, Rasenschnitt, Gehölz, Gewurzel und was weiss ich noch. Man braucht die Gartenschere nur kurz in die Hand zu nehmen und schon liegt neben einem wieder ein kniehoher Haufen Grünzeug.

Häckseln wäre eine Option, die Grünabfuhr ist es dann und wann auch. Mein Mann träumt schon von einem Autoanhänger, auf dem er die grüne Fracht schichten, zwischenlagern und bequem entsorgen kann. Aber alles Träumen hilft ja nichts. Alles Jammern noch weniger. Wir werden demnächst die Mistgabeln schultern, bei den Nachbarn das grosse Sieb ausleihen, die dicken Handschuhe anziehen, um zuerst energisch, dann ermüdend und gegen Schluss fluchend die Schichten abzutragen, zu mischen und zu sieben. Und ja, es wird stinken. Und ja, wir wissen, dass das kein gutes Zeichen ist. Aber den Kompost mit der krümeligen, frisch duftenden Erde, den haben sowieso immer nur die Nachbarn.

 

Katja Fischer De Santi

katja.fischer@tagblatt.ch