Es klappt nicht mit Russland

Der Historiker Heinrich August Winkler schliesst seine mehrbändige «Geschichte des Westens» mit der Gegenwart ab.

Roland Mischke
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Es ging ein Aufschrei durch die Welt, als religiöse Fanatiker in Paris mordeten. Dass die Ausdrucksfreiheit eine der grössten Errungenschaften des Westens sei, wurde vielen bewusst. Sie ist das Thema des 76jährigen Historikers Heinrich August Winkler, der mit dem letzten Band der «Geschichte des Westens» ein fundamentales Werk von insgesamt 4500 Seiten zu Ende führt.

Von 1991 bis 2014

Er nimmt darin die «Zeit der Gegenwart» in den Fokus und meint damit die Jahre von 1991 bis 2014 mit ihren gewaltigen Veränderungen im Osten wie im Westen. Winkler ist sich klar darüber, dass die westlichen Demokratien, global gesehen, in der Minderheit sind – und noch dazu ein «schrumpfender Teil der Weltbevölkerung».

Letzte Korrekturen

Doch gebe es etwas, was den Westen «im Innersten zusammenhält», schreibt er: «das normative Projekt der Amerikanischen Revolution von 1776 und der Französischen Revolution von 1789 in Gestalt der unveräusserlichen Menschenrechte».

Es heisst, Winkler habe noch in den letzten Tagen vor der Drucklegung Passagen geändert und Neuigkeiten eingefügt. Wobei es hauptsächlich um die aktuellen Themen Euro und das Verhältnis Russlands zum Westen ging. Russland-Freunden erläutert er, dass Putins Einmarsch auf der Krim die erste gewaltsame Landeroberung seit dem Zweiten Weltkrieg sei – eine Zäsur für Europa.

Zusammenarbeit gescheitert

Die erhoffte Zusammenarbeit des Westens mit Russland ist damit für den Historiker fürs erste gescheitert, der Westen sollte unverbrüchlich an seinen eigenen Werten festhalten.

Heinrich August Winkler: Geschichte des Westens. Die Zeit der Gegenwart, C. H. Beck 2015, 687 S., Fr. 44.90

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