Es ist nicht alles Leder, was glänzt

Jahrelang gehörte ein Kleidungsstück aus edlem Leder zu den kostbarsten Teilen im Schrank. Man zahlte viel Geld dafür und behielt es drum auch etliche Jahre.

Yvonne Forster
Drucken
Teilen
Look - Yvonne Forster

Look - Yvonne Forster

Jahrelang gehörte ein Kleidungsstück aus edlem Leder zu den kostbarsten Teilen im Schrank. Man zahlte viel Geld dafür und behielt es drum auch etliche Jahre.

Das hat sich seit dieser Saison geändert. Noch nie gab es so viele Leder-Modelle in den Geschäften. Kürzlich wollte ich mir eine Bluse zu einer Abendhose kaufen. Als man mir ein ärmelloses Oberteil präsentierte, musste ich das Material zweimal anfassen, um es zu glauben: Es war nicht etwa aus Seide, sondern aus feinstem Leder. Wie eine zweite Haut schmiegte es sich an meinen Körper.

Kurz darauf liess ich mich erneut von Leder verführen. Es war ein federleichtes kurzes Jäckchen mit Reissverschluss. Als ich die Etikette las, stand darauf «Lederimitation, 48% Polyurethan, 52% Polyester». Hatte man mich reingelegt? «Keineswegs», erklärte die Verkäuferin. Kunstleder sei zurzeit ebenso beliebt wie echtes Leder, weil es noch weicher sei und sich daher wie Stoff verarbeiten lasse. Zudem sei es waschbar.

Ob echt, wie bei der Bluse von Tod's (Bild), oder als Imitat. Hauptsache, es fühlt sich wie Leder an. Geschickt schneidern die Designer aus dem sanften Material rockige Biker-Blousons, drapierte Kleider, Röhrchenhosen, Gilets oder verwenden es als Garnitur. Die Lust auf Leder ist gross. Nicht zuletzt, weil Billiganbieter wie Zara, Manor und H&M modische Stücke zu erschwinglichen Preisen verkaufen. Fehlen nur noch der Leder-BH und das passende Höschen. Oder gibt es die bereits?

Aktuelle Nachrichten