Es gibt zwei Arten, depressiv zu sein

Berner Forscher konnten nachweisen, dass der Mangel verschiedener Botenstoffe im Gehirn jeweils unterschiedliche Arten von Depressionen verursacht. Sie hoffen nun, Antidepressiva besser auf einen Patienten abstimmen zu können.

Bruno Knellwolf
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Depression ist nicht gleich Depression. Das schreibt Gregor Hasler von der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Uni Bern. Immer geht es aber um einen Mangel an Botenstoffen im Gehirn: Einmal um einen Mangel an Serotonin, ein andermal an Noradrenalin. Bislang konnte die Forschung die beiden nicht unterscheiden, was den Einsatz von Antidepressiva erschwerte, denn diese wirken nur auf einen bestimmten Botenstoff. Nun konnten die Berner Forscher zeigen, welche Depressionssymptome eher mit einem Serotonin- und welche eher mit einem Noradrenalin-Mangel zusammenhängen. «Dieses neue Verständnis für den individuellen Krankheitsverlauf könnte uns dabei helfen, künftige medikamentöse Behandlungen gezielt auf einzelne Patienten abzustimmen», erläutert Hasler.

Wirken Antidepressiva?

Allerdings wurde die Wirkung von Antidepressiva zuletzt vermehrt in Frage gestellt: Es zeigte sich, dass ein Grossteil ihrer kurzfristigen Wirkung durch den Placeboeffekt erklärt werden kann. Andererseits machen Patienten und Ärzte die Erfahrung, dass die Symptome unter antidepressiver Therapie in manchen Fällen deutlich und langfristig abklingen.

Hasler denkt, dass dank der neuen Erkenntnisse dieser scheinbare Widerspruch aufgelöst werden könnte. «Teilweise haben die Patienten vermutlich nicht reagiert, weil ungeeignete Antidepressiva eingesetzt wurden, die auf den falschen Botenstoff wirkten.» Im Test verringerten die Forscher bei den Probanden die Serotonin-, respektive die Noradrenalin-Speicher künstlich, um die Reaktion darauf zu testen.

Unterschiedliche Symptome

Je nachdem, welcher Botenstoff verringert wurde, traten unterschiedliche Symptome in den Vordergrund. «Bei Serotonin waren das eher depressive Verstimmung, Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit; bei Noradrenalin eher Antriebsmangel, Konzentrationsschwächen und Ängstlichkeit», erklärt Co-Autor Philipp Homan. Zudem zeigte sich, dass die beiden Arten der Depression sich auch biologisch unterscheiden: Serotoninmangel bewirkte einen gesteigerten Stoffwechsel im rechten Stirnlappen und im limbischen System; Noradrenalin-Mangel senkte den Stoffwechsel im rechten Stirnlappen. Die Studie könnte dazu beitragen, Testverfahren zu entwickeln, dank derer vorausgesagt werden kann, wie Patienten auf einzelne Antidepressiva ansprechen. Das könnte die Wirkung von Antidepressiva deutlich verbessern.