«Es gibt kein Richtig und kein Falsch»

Dieter Langhart
Drucken
Teilen
Augenbinden fördern die Konzentration: Schulkinder hören der Kunstpädagogin Silvia Peters im Kunstverein Frauenfeld zu.. (Bild: Nana do Carmo)

Augenbinden fördern die Konzentration: Schulkinder hören der Kunstpädagogin Silvia Peters im Kunstverein Frauenfeld zu.. (Bild: Nana do Carmo)

Für Silvia Peters fliesst das alte Jahr ins neue, sie sieht ihre Arbeit als stetiges Weiterentwickeln. «Kreativität muss im Alltag stattfinden», sagt sie, also jeden Tag. Auch am Dreikönigstag. Dann lädt sie die Kinder des Quartiers wie bereits dieses Jahr in ihr grosses Wohnzimmer ein zu einem Vorspiel-Konzert. Sie werden etwa Fagott, Horn, Klavier, Schwyzerörgeli und Schlagzeug spielen, und der Königskuchen wird so gross sein, dass jedes Kind König sein kann. Auch die Eltern sind mit eingeladen.

Und eben nicht nur am Dreikönigstag. Silvia Peters war die erste Frau im Thurgau, die sich für Kunstvermittlung eingesetzt hat: 1971 mit einem Mal­atelier in ihrer Wohnung. Dann fand sie im Kunstraum Kreuzlingen einen Partner, bald klopfte die Kunstvermittlung der Stadt Winterthur an. Während zehn Jahren wirkte sie in einer Festanstellung in den Winterthurer Museen, inzwischen arbeitet sie als freischaffende Kunstvermittlerin oft in den Räumen des Kunstvereins Frauenfeld. Nutzt Ausstellungen und versichert den Kindern: «Das könnt ihr auch, es gibt kein Richtig und kein Falsch. Eure Ideen führen euch auf neue Wege.» Silvia Peters sprüht vor Elan. Ihr Lachen gehört zu ihrer Leidenschaft, ebenso wie Klarheit und Bestimmtheit. Immer wenn sich eine Klasse um sie versammelt, steckt sie die Kinder mit der Lust am Hinschauen und der Lust am Selbermachen an. «In jedem Kind schlummert Kreativität», sagt Silvia Peters, «wir müssen sie nur wecken.» Schränkt aber gleich ein: «Kinder sind noch keine Künstler.»

Auch Frauenfeld soll eine Bildschule bekommen

Seit Monaten widmet sich die Kunstpädagogin ihrem neuesten Projekt, einer Bildschule. Basel war Vorreiter mit dem «K’Werk», Städte wie Aarau oder St. Gallen folgten – und bald soll auch Frauenfeld eine bekommen. Eine Bildschule will sinngemäss das Gleiche wie eine Musikschule. Sie will Kindern und Jugendlichen den Zugang zur Welt der bildenden Kunst erschliessen, ihnen die reichen Ausdrucksformen nahebringen und sie im Wunsch unterstützen, selber gestalterisch tätig zu werden.

Silvia Peters hat ihr Exposé der Konferenz Bildschulen Schweiz vorgestellt und darf nun den geschützten Namen führen. Sie knüpft Kontakte, sucht Unterstützung, sucht nach einem Raum stösst mit ihrem Projekt auf offene Ohren bei Kulturamt und Kulturstiftung. Im Frühjahr will sie einen Verein gründen und am Frauenfelder Kulturtag im September die Idee der breiteren Öffentlichkeit vorstellen.

Musikschulen seien längst selbstverständlich, sagt sie, aber die bildende Kunst werde stiefmütterlich behandelt. «Musik und bildende Kunst gehören zwingend zusammen!» Silvia Peters sagt Sätze mit Ausrufezeichen: «Kunst ist kein Event!» Und wenn sie sagt, «Kunst braucht Stille», kann sie im gleichen Atemzug das Kloster Schöntal mit dem Skulpturenweg erwähnen. «Kinder haben diese Stille und sind offen für alles.» «Wenn Kinder schauen lernen, lernen sie auch zu denken», sagt Silvia Peters. Die Bildschule bringt Kunst und Pädagogik zusammen. «Da wird in Semesterkursen Neues entdeckt und ausprobiert, beim Zeichnen und Malen, mit Fotografie oder räumlichem Gestalten.»

Dieter Langhart