ERREGER: Entzündungen machen Bakterien gefährlicher

Entzündungen sind eine effiziente Waffe des Immunsystems gegen Krankheitserreger, die es noch nicht kennt. Sie sind jedoch ein zweischneidiges Schwert, wie ein Forscherteam um Wolf-Dietrich Hardt von der ETH Zürich berichtet: Die gleiche Entzündungsreaktion kann Erreger unter Umständen auch gefährlicher machen.

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Der Schlüssel liegt dabei in Phagen, also Viren, die Bakterien befallen. Bestimmte Phagen fügen ihr Erbgut in das ihres Wirts ein und schlummern dort. Erhalten sie ein Wecksignal, beginnen sie sich zu vermehren, zerstören das Bakterium und schwärmen aus auf der Suche nach neuen Opfern. Dabei übertragen sie ihre Gene auf die nächsten Bakterien und verleihen ihnen damit neue und mitunter gefährliche Eigenschaften. Auf diese Weise wurde beispielsweise ein harmloses Brackwasser-Bakterium vor der Küste Bangladeschs zum gefährlichen Cholera-Erreger, wie frühere Studien gezeigt haben.

Hardt und sein Team zeigen nun anhand von Versuchen mit Mäusen, dass Entzündungen ein solches Wecksignal für Phagen liefern und damit die Übertragung der gefährlichen Phagen-Gene befeuern. Das haben die Forscher am Beispiel von Salmonellen gezeigt, die hauptsächlich Nutztiere befallen und Magen-Darm-Erkrankungen auslösen.

Eine Impfung der Versuchstiere verhinderte die Entzündung, weil sie dem spezifischen Immunsystem die Möglichkeit gab, die Erreger direkt zu erkennen und zu bekämpfen. Damit wurde auch das Risiko reduziert, dass sich die Phagen vermehrten, ihre Gene übertrugen und die Salmonellen gefährlicher machten. (sda)