Erfolgreiche Meisen

Kohlmeisenweibchen haben ein attraktives Federkleid. Es zeigt, wie jetzt bewiesen wurde, auch gesunden Nachwuchs an.

Nadja Podbregar
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Kohlmeise (Bild: fotolia)

Kohlmeise (Bild: fotolia)

Die Kohlmeise ist im Garten gut zu erkennen: Weisse Bäckchen, ein schwarzer Kopf, Bruststreifen und ein gelber Bauch schmücken diesen Singvogel. Nicht nur die Männchen, auch die Weibchen tragen ein auffallendes Federkleid.

Männchen fallen oft mehr auf

Forscher wissen jetzt, welchen Nutzen das hat: An Wangen und Brust der Kohlmeisendame können Männchen ablesen, wie gut ihre Angebetete später als Mutter ist. Je breiter der Bruststreifen und je weisser der Wangenfleck, desto fitter der Nachwuchs.

Ob Pfau, Paradiesvogel oder Stockente – bei vielen Vögeln sind die Männchen das schöne Geschlecht. Der Sinn dieser Übung ist schon lange bekannt: Die Männchen dieser polygamen Arten wollen ihre Konkurrenten um die Weibchen ausstechen und ihre Fitness signalisieren.

Unnötig auffällig

Viele Vogelarten jedoch verpaaren sich nur einmal im Leben und kümmern sich dann gemeinsam um die Aufzucht. Theoretisch sollten sie daher beide möglichst unauffällig daherkommen, um ihre Brut zu schützen. «Trotzdem sind bei vielen dieser Arten die Weibchen bunt und auffallend gefärbt, genauso wie die Männchen – aber warum?», fragen Vladimir Remes und seine Kollegen von der Palacky Universität im tschechischen Olomouc.

Eine der möglichen Erklärungen: Die Weibchen könnten mit ihrem Federkleid ihre Qualitäten als Mutter bewerben. Ob diese Theorie zutrifft, haben Remes und seine Kollegen mit einem Experiment überprüft. In einem Waldgebiet mit insgesamt 188 Nistkästen fotografierten sie zunächst die Wangenflecken und Bruststreifen der brütenden Weibchen und ihrer Partner.

Federkleid und Fitness

Waren die Jungen geschlüpft, wurden einige Bruten komplett gegen die anderer Eltern ausgetauscht. Als Folge wuchsen einige der Nestlinge bei Pflegeeltern auf.

Zwei Wochen nach dem Schlupf wurden alle Jungen gewogen und Remes und seine Kollegen testeten, wie stark das Immunsystem der Nestlinge reagierte. Die Auswertung ergab einen Zusammenhang zwischen dem Federkleid der Mütter und der Fitness ihrer Jungen – bei leiblichen wie auch bei Pflegekindern.

Besserer Eidotter

«Weibchen mit einem weisseren, makelloseren Wangenflecken und einem breiteren Bruststreifen hatten schwerere und abwehrstärkere Jungen», berichten die Forscher. Zumindest für die genetischen Mütter gebe es auch eine physiologische Erklärung: Weibchen mit ausgeprägter Färbung erzeugten Eidotter mit höheren Vitamin- und Karotinoid-Gehalten. Dieser Effekt kann aber nicht erklären, warum die bunteren Meisenmütter auch gesündere Pflegekinder grosszogen. Eine Möglichkeit wäre, dass sie ihre Jungen besser fütterten, mutmassen die Wissenschafter.

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