Einfach getrennt, zweifach geeint

Es war einmal ein lateinisches Duo, also zwei Menschen. Denen begegnete eine Lautverschiebung, die machte aus allen «d» ein «t», und so lief das Duo als two weiter nach England. Von dort wanderte es nach Süden und traf wieder eine Lautverschiebung.

Valeria Heintges
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Rubrik "sage und schreibe" für focus (Bild: Photographer: Angela Kausche (22228734))

Rubrik "sage und schreibe" für focus (Bild: Photographer: Angela Kausche (22228734))

Es war einmal ein lateinisches Duo, also zwei Menschen. Denen begegnete eine Lautverschiebung, die machte aus allen «d» ein «t», und so lief das Duo als two weiter nach England. Von dort wanderte es nach Süden und traf wieder eine Lautverschiebung. Die machte aus den «t» ein «ts», da wurde aus den two zwei. So entstand aus dem lateinischen duo nach zwei Lautverschiebungen das deutsche Wort zwei.

Diese zweite Lautverschiebung machte auch aus dem englischen «town» einen «Zaun», und änderte die Bedeutung gleich mit. Aus einer Umzäunung wurde das Gebiet, das umzäunt und damit gesichert wurde. Genauso wurde aus «timber» ein Zimmer – das war ursprünglich immer aus Holz, später eben nicht mehr.

Die zwei, die durch die Gegend liefen, fühlten sich wohl und vermehrten sich rasch. Sie versteckten sich in anderen Wörtern. Manche Verstecke wählten sie so gut, dass man sie heute kaum noch findet. Im Zwilling, zwei Kindern, an einem Tag geboren. Auch im Zwieback, weil der doppelt gebacken wird. Oder im Zwillich, weil der aus einem zweifädigen Gewebe hergestellt wird. Vielleicht aus Zwirn, das ist ein zweidrähtiger Faden. Darüber kann man sich streiten, dann gibt es einen Zwist, da sind zwei nicht einer Meinung. Es steckt auch im Zwitter, der zwei Geschlechter vereint. Auch im Zweig, wo sich ein Ast teilt. Darüber gibt es keinen Zweifel und also keine zwei Ansichten.

Lust auf mehr Entdeckungen? Kristin Kopfs Buch «Das kleine Etymologicum (Klett-Cotta-Verlag 2015) ist dafür ein wunderbarer Reisebegleiter.

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