Einfach anders denken

Zwei Amerikaner haben ein unterhaltsames Buch geschrieben, das mit absurden Geschichten überrascht – und uns lehrt, zu denken wie ein Freak.

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Durch Andersdenken auf andere Ideen kommen. (Bild: pd)

Durch Andersdenken auf andere Ideen kommen. (Bild: pd)

Takeru Kobayashi ist 36, knapp 1,70 gross, Japaner, drahtig – und Wettkampfesser. Auf Coney Islands, ausserhalb von New York, verdrückte er 2001 in zwölf Minuten fünfzig Hotdogs. Der Rekordhalter hatte ein Jahr zuvor gerade einmal 25,125 Hotdogs geschafft. Viele Konkurrenten übertrumpften Kobayashi zwar auf der Waage, nicht aber im Kopf. Der Japaner studierte das Reglement und stellte fest: Es ist nicht verboten, die Würstchen zu halbieren. Und es ist auch nicht verboten, Wurst und Brot separat zu verschlingen. Während Kobayashis Mitbewerber den ganzen Hotdog in den Mund stopften, ass er zuerst die geteilte Wurst. Mit der anderen Hand tunkte er währenddessen das Brötchen im Wasser. Die Vorteile: Es rutscht besser die Kehle runter und gibt weniger Durst. Kobayashi brauchte während des Wettkampfs kaum Zeit, um zu trinken. Die anderen schon. Das Resultat kennen Sie ja.

Schnellesser als Querdenker

Kobayashi gewann den Esswettstreit auf Coney Island sechsmal in Folge; dreimal brach er seinen eigenen Rekord. Für die Amerikaner Steven D. Levitt, einen Wirtschaftswissenschafter, und Stephen J. Dubner, einen Journalisten, ist Kobayashi ein Querdenker. In ihrem neuen Buch «Think Like A Freak» beschreiben sie den Japaner als positives Beispiel, als jemanden, der überlegt wie ein Freak. Kobayashi habe sich nicht – wie seine Konkurrenten – gefragt, wie er mehr Hotdogs essen könne, sondern wie er sie leichter essen könne. «Nur durch das Umdefinieren des Problems war er in der Lage, eine neue Reihe von Lösungen zu entdecken», schreiben die Autoren. Sie sind überzeugt: Kobayashis Vorgehen lässt sich auch auf Wichtigeres als den schnellen Verzehr von Fastfood anwenden. Aufs Leben, auf Probleme grundsätzlich.

Ganz einfach

Das ist nur einer von vielen praktischen Tips, die Levitt und Dubner in ihrem Buch geben. Einem Werk, das Denkirrtümer entlarven soll, wie es im Vorwort heisst. Ein Werk, das nicht wie ein Buch aus der Selbsthilfe-Ecke daherkommt, sondern unterhaltsam ist, mit vielen Beispielen aus der Wirtschaft und Wissenschaft. Wer es gelesen hat, der weiss: Freaks denken anders, aber ganz einfach. Verblüffend ist, dass viele von uns das offenbar verlernt haben. (dbu)

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