Eine App macht ihn zum Millionär

Nick D'Aloisio ist erst 17 Jahre alt – und bereits Millionär. Yahoo hat dem Londoner eine App abgekauft, die Internetseiten fürs Smartphone zusammenfasst.

Sebastian Borger
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Erst 17 Jahre alt, aber schon sehr reich: App-Entwickler Nick D'Aloisio. (Bild: epa/Glenn Copus)

Erst 17 Jahre alt, aber schon sehr reich: App-Entwickler Nick D'Aloisio. (Bild: epa/Glenn Copus)

In Wimbledon, das bekannt ist für Tennisspieler, steht das Haus, in dem Nick D'Aloisio schon immer gern am Computer sass. Seine Lieblingsbeschäftigung hat dem 17-Jährigen jetzt viele Millionen und einen Job eingebracht: Das Webportal Yahoo kaufte für umgerechnet 28,4 Millionen Franken seine Nachrichten-App Summly.

Die zuletzt stagnierende Firma, ein Veteran des Internets, erhofft sich vom Wunderkind aus Wimbledon einen kreativen Schub, besonders im explodierenden Geschäft mit Smartphones. «Nick denkt ganz ungewöhnlich über Produkte nach», schwärmt der zuständige Yahoo-Abteilungsleiter Adam Cahen. «Für seine Generation gehören mobile Plattformen nicht nur dazu, sie denkt ausschliesslich mobil. Das macht den Unterschied aus.»

Mit Summly stiess D'Aloisio in eine Marktlücke vor. Weil viele Nachrichtenseiten im Web auf Mausklicks formatiert sind, stellt ihre Ansicht auf Smartphones mit Touchscreens oft ein Problem dar. Summly stellt automatisch eine Zusammenfassung von Artikeln in 100 Wörtern her. Was den Autoren von Texten nicht unbedingt gefällt, kommt beim Publikum an. Die App gehörte zu den besten des Vorjahres, mehr als eine Million Benutzer griffen zu. Ab sofort ist die App nicht mehr erhältlich, sondern soll in Yahoos Plattform integriert werden.

«Ein bisschen ungewöhnlich»

Nick D'Aloisio stammt aus Australien. Seine Mutter Diana, eine Rechtsanwältin, fand ihn früh «ein bisschen ungewöhnlich»: Mit sechs las ihr Sohn Astronomiebücher, und mit zwölf entwickelte er Softwareprogramme. «Nick spielte mit der Technik herum, von der ich keine Ahnung hatte», sagt Diana D'Aloisio.

Dabei scheint der Junge keineswegs einseitig begabt zu sein. An seiner teuren Privatschule, die seine Eltern pro Jahr umgerechnet 26 000 Franken kostet, lernte er Latein und Griechisch, spielte Rugby und Cricket, interessierte sich für Geschichte und Mathematik. «Er ist ein Allrounder», freut sich Rektor Andrew Halls über seinen Zögling, der zudem Russisch und Mandarin spricht. Die Vorbereitung auf seine A-Levels – das englische Äquivalent zur Matur – erledigt D'Aloisio als Privatsache abends, tagsüber hat die Arbeit Vorrang. Denn laut einer neuen Devise seiner Chefin Marissa Mayer müssen Yahoo-Angestellte wieder im Büro sitzen, die Arbeit von zu Hause aus ist tabu.

Vater ist Investmentbanker

Für die steile Karriere dürften dem Teenager die Kontakte seines Vaters nützlich gewesen sein, der als Investmentbanker arbeitet. Schon früh fanden sich Investoren, die Vertrauen in D'Aloisios Fähigkeiten zeigten. Summly ist denn auch keineswegs sein erster Geniestreich. Zuvor hatte der Heimentwickler schon SongStumblr, 3Duniverse, Facemood, Trimit auf den Markt gebracht. Ob es ihn jetzt zum Originalschauplatz der Internet-Revolution zieht, ins Silicon Valley? Da winkt D'Aloisio ab. «Ich bin siebzehn», sagt er. «Ich will mit meiner Familie und meinen Freunden zusammen sein. Auf absehbare Zeit bleibe ich in London.»

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