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Ein Star in Ost und West

Im «Tatort» hat er ermittelt, in «Liebling Kreuzberg» einen Anwalt gespielt. Jetzt ist Manfred Krug, dessen erste Karriere sich in der DDR abspielte, gestorben.
Rolf App
Manfred Krug 8.2.1937 – 21.10.2016 (Bild: KEY)

Manfred Krug 8.2.1937 – 21.10.2016 (Bild: KEY)

«Die trüben Tassen!» hat Manfred Krug gedacht, als er 1977 weg musste aus der DDR. Die Zukunft war ungewiss. Jetzt ist der Schauspieler und Sänger 79jährig gestorben. Im Westen war Krug spätestens von 1984 ein Begriff, als er begann, im «Tatort» als ewig griesgrämiger Hauptkommissar Stoever zu ermitteln. 41mal, bis er 2001 in den Ruhestand ging.

Die DDR-Führung mag ihn immer weniger

«Die trüben Tassen!» Manfred Krug hatte wenig Grund, die DDR besonders zu mögen, in die er nur durch familiäre Zufälle geraten war. Anfangs zwar schon, da fand er die Leipziger weit weniger hochnäsig als die Rheinländer. Von dorther, genauer, aus Duisburg war sein Vater nach Osten gezogen, der später in Brandenburg ein Stahlwerk leitete. Die Eltern hatten sich getrennt, der Sohn war ihm zugesprochen worden. Der erste Beruf, den er in der DDR erlernte, war Stahlschmelzer. Und dann, nach der Abendschulmatura, die Schauspielerei. Allerdings: Wegen «disziplinarischer Schwierigkeiten» war sein Studium schon bald zu Ende.

Trotzdem wurde Manfred Krug schon bald zum Kino-Idol, dank zweier Filme von Frank Beyer: «Fünf Patronenhülsen» und «Die Spur der Steine». Letzterer, ein unterschwellig sehr kritischer Film über die DDR-Planwirtschaft, erregte schon während der Dreharbeiten das Misstrauen des zuständigen Ministers. Drei Tage nach der Uraufführung wurde er 1976 wegen «antisozialistischer Tendenzen» verboten.

Als Krug im Jahr darauf auch noch einen Protest gegen die Ausbürgerung von Wolf Biermann unterschrieb, weil ihm «diese Blödheit so unangenehm war», da wurde er mit einem Teilberufsverbot belegt und beantragte die Ausreise. «Es war ein Sprung ins kalte Wasser», erzählte er vor zwei Jahren in einem Interview. «Aber ich habe immer auf mich gebaut.»

Zu Recht. Bald wurde er auch im Westen mit seinem schrägen Humor und lockeren Sprüchen zum festen Begriff: Nicht nur im «Tatort», sondern auch in der Kindersendung «Sesamstrasse» und in der Serie «Liebling Kreuzberg» um einen Rechtsanwalt, der nicht aufs Maul gefallen ist.

Mit den Amerikanern kommt der Jazz

Daneben verfolgte Manfred Krug Talente weiter, die er schon in der DDR begonnen hatte: auch jenes des Jazzsängers. Entdeckt hatte er den Jazz mit den Amerikanern, die Duisburg 1945 besetzten. Sie hätten zwar die Demokratie gebracht, sagte er, «aber vor allem haben sie diese blöde Nazi-Musik über Nacht erledigt».

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