Ein Sommer auf dem Land

Belles Lettres

Beda Hanimann
Merken
Drucken
Teilen

Das Ende seines Lebens war ein Paukenschlag in Moll. Mitten in einer Diskussion über seinen letzten Roman «Un juif pour l’exemple» in der Stadt­bibliothek Yverdon-les-Bains brach der Waadtländer Schriftsteller Jacques Chessex 2009 zusammen. Mit der verbürgten Geschichte eines jüdischen Viehhändlers, der im Zweiten Weltkrieg von Frontisten er­mordet wurde, hatte der 1934 geborene Chessex nochmals Aufsehen erregt.

Zwischen grossen Romanen und lyrischen Werken steht die Erzählung «Voltaires Traum» von 1995. Das nicht einmal achtzig Seiten umfassende Buch erzählt die Geschichte des Sommers 1760, den Jean de Watteville auf dem Schloss seines Onkels im Hinterland von Lausanne verbringt. Da wird der 18-Jährige Zeuge von Auftritten und Gesprächen prominenter Gäste wie Jean-Jacques-Rousseau, Albrecht von Haller, Casanova und Voltaire – und er gerät, wie dieser, in den erotischen Sog der Dienstmagd Aude. Auch die Erzählung endet in Moll, der Heranwachsende erkennt allmählich die Risse in der glatten Oberfläche der Gesellschaft. Das Büchlein aber ist ein federleichtes, atmosphärisch stimmiges Lesevergnügen für einen lauen Sommertag.

Beda Hanimann

Jacques Chessex: Voltaires Traum, antiquarisch erhältlich