Ein seltsamer Flieger

Knapp so schwer wie eine Taube soll er gewesen sein, der «Yi qi» getaufte kleine Dinosaurier, der kürzlich von chinesischen Forschern in der Wissenschaftszeitschrift «Nature» beschrieben worden ist.

Toni Bürgin
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Der kleine Dinosaurier Yi qi: Eine Chimäre zwischen Vogel und Fledermaus. (Bild: pd)

Der kleine Dinosaurier Yi qi: Eine Chimäre zwischen Vogel und Fledermaus. (Bild: pd)

Yi qi heisst der kleine Dinosaurier: Sein für uns ungewohnt kurzer Name bedeutet auf Deutsch «seltsamer Flügel» und nimmt Bezug auf eine anatomische Besonderheit dieser Versteinerung, von welcher bisher lediglich ein Exemplar gefunden wurde.

Mit 160 Millionen Jahren ist er deutlich älter als der Bayrische Urvogel Archaeopteryx. Im Gegensatz zu diesem besass er nur einfach gebaute, daunenartige Federn. Sie dienten vermutlich der Wärmeisolation. Was ihn hingegen auszeichnet – und noch nirgends bei einem Dinosaurier gefunden wurde –, ist ein langer, verknöcherter Knorpelstab im Handskelett.

Vogel und Fledermaus

Da die Forscher um den bekannten Pekinger Paläontologen Xing Xu am Fossil scheinbar auch die Reste einer häutigen Membran nachweisen konnten, sieht das rekonstruierte Tier wie eine Chimäre zwischen Vogel und Fledermaus aus.

Während die damals lebenden Flugsaurier ihre Flughaut mit Hilfe des stark verlängerten vierten Fingers aufgespannt hatten, diente der Knorpelstab bei Yi qi vermutlich dazu, eine Flughaut zwischen Rumpf und dem vierten Finger zu stabilisieren.

Etwas Vergleichbares findet sich bei gewissen Flughörnchen, bei welchen eine Knochenspanne am Handgelenk die Flughaut stützt. Wie gross die Flughaut beim lebenden Tier war, kann aufgrund der unvollständigen Erhaltung nicht mit Sicherheit gesagt werden. Vermutlich war das Tier ein guter Kletterer und konnte mit aufgespannten Schwingen von Baum zu Baum gleiten.

Kein Flatterflug

Ein Flatterflug, wie ihn die heutigen Vögel und Fledermäuse kennen und über welchen auch die ausgestorbenen Flugsaurier verfügten, ist aufgrund der aktuellen Kenntnisse eher unwahrscheinlich. Darauf deutet auch der Schwanz hin, an dessen Ende vier lange und schmale Einzelfedern sassen. Damit konnte das Tier keine steuernden Bewegungen ausführen, sondern lediglich den Gleitflug stabilisieren.

Der bereits vor acht Jahren gemachte Fund eines Bauern wurde erst 2013 genauer untersucht. Nun hat sich herausgestellt, dass er etwas ganz Besonderes ist. Er belegt eine Zeit, in welcher die Natur verschiedene Wege zur Eroberung des Luftraumes erprobte. Wie die Flugsaurier ist aber auch dieses Resultat der Evolution schon lange verschwunden.

Brian Choos Rekonstruktion. (Bild: pd)

Brian Choos Rekonstruktion. (Bild: pd)

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