Ein Schluck zum Feierabend

Kürzlich an einem dieser Sommerabende, die kein Ende nehmen wollten, habe ich in meiner liebsten Gartenwirtschaft den Wirt beobachtet.

Beda Hanimann
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Bild: Beda Hanimann

Bild: Beda Hanimann

Kürzlich an einem dieser Sommerabende, die kein Ende nehmen wollten, habe ich in meiner liebsten Gartenwirtschaft den Wirt beobachtet. Spätabends, nachdem die Gäste ihren Flüssigkeitshaushalt längst in Ordnung gebracht hatten, widmete er sich in bewundernswerter Fürsorglichkeit auch noch seinen Pflanzen. Mit einem Schlauch ging er geduldig von Topf zu Topf, von Baum zu Baum.

Es war ein schönes Bild, wie es überhaupt etwas Schönes ist um das Pflanzengiessen. Auch wenn man nicht so professionell mit Schlauch und Spezialbrause zu Werke geht wie mein Wirt. Ich habe da stets das Giesskannenprinzip hochgehalten. Es gibt auch in Kindheitserinnerungen keinen Schlauch, dafür diesen wohligen Klang, wenn der Wasserstrahl aus dem Hahnen in das Gefäss schiesst, das schöne Gefühl, wie dieses schnell wieder leichter wird und die Pflanzen aufatmen.

Giessen ist die kontemplativste Tätigkeit im Garten. Ich mag den Anblick der bis nach aussen nassen Töpfe, der feuchten Gartenplatten nach getaner Arbeit. Diese allumfassende wohltuende Feuchtigkeit erinnert mich an die kühlen Bierflaschen auf Galápagos, die sich in der Hitze blitzartig beschlagen.

Das ist ein schöner Übergang in den Feierabend – obwohl ich weiss, dass echte Kenner am Morgen giessen. Das ist mir geblieben, nachdem ich in einer der paar Hitzeperioden meiner bisherigen Tagblatt-Tätigkeit einmal einen Fachmann zitieren durfte mit der Aussage: «1:0 für die Frühaufsteher». Meine Pflanzen müssen bis zum Abend warten. In Solidarität zu mir. Ich spare mir das erste Bier des Tages ja auch bis dann auf.

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