Ein Rahmen für die Ewigkeit

Bereits in den ersten Stunden unseres Lebens hat er seinen grossen Auftritt: der Fotorahmen. Dann nämlich, wenn das erste Bild des Neugeborenen hineingelegt und auf den Nachttisch der stolzen Eltern gestellt wird.

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Bereits in den ersten Stunden unseres Lebens hat er seinen grossen Auftritt: der Fotorahmen. Dann nämlich, wenn das erste Bild des Neugeborenen hineingelegt und auf den Nachttisch der stolzen Eltern gestellt wird. Natürlich muss es zu diesem Anlass ein spezieller Rahmen sein: aus Silber und mit eingravierten Häschen, Teddybären, Nuggi und Herzchen. Am Rand erinnern Name, Geburtsdatum und Gewicht des Kindes an das grosse Ereignis.

Es werden jährlich mehr

Im Laufe der Jahre häufen sich die Fotorahmen auf den Kommoden, Nachttischchen, Pulten und Büchergestellen. Zum Hochzeitsfoto und den Kinderaufnahmen gesellen sich Bilder von Verwandten, Ferienreisen, Parties, Konfirmationen und den Taufen der Patenkinder. Und so sieht es in vielen Haushalten bald ähnlich aus wie bei mir daheim, wo die Ansammlung an runden, eckigen, herzförmigen, gewölbten und zweiteiligen Konstruktionen – mal aus Silber, mal aus Email, Metall, Glas, Holz oder sonst einem Material – die Gestelle mehr verunstalten als zieren.

Röschen und Schnörkel

Jahrelang habe ich mir vorgenommen, die Anzahl meiner Fotorahmen zu reduzieren. Stattdessen kommen immer neue hinzu, geschenkt von Freunden, die einen Fotorahmen für das ideale Mitbringsel halten. Wenn sie wenigstens schlicht wären, diese mit Röschen oder mit antiken Schnörkeln verzierten Exemplare, in die das schönste Foto prompt nicht hinein passt. Als ich eines Tages einen Rahmen bekam, der sich wie ein dickes Buch öffnen liess, um sämtliche Ferienfotos darin zu versorgen, war mein Entschluss gefasst: Ich halbierte meine Sammlung und legte mich auf ein einziges Rahmenmodell in zwei verschiedenen Grössen fest. In einem Florentiner Silber-Geschäft tätigte ich einen günstigen Grosseinkauf.

Nun sind Eltern, Ehemann und Freunde in konkurrenzloser Harmonie im Büchergestell vereint.

Yvonne Forster