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Ein neuer Van Gogh wird geboren

Geri Krebs

Film Der Dokumentarfilm «China’s Van Goghs» des chinesischen Regieduos Haibo Yu und Tianqi Kiki Yu beleuchtet so vergnüglich wie nachdenklich das Verhältnis von Kunst und Arbeit, Original und Kopie, Europa und China.

Sie schlafen, essen und malen unter den «Sonnenblumen», der «Sternennacht» oder der «Caféterrasse am Abend». Die Angestellten und Familienmitglieder von Atelierbesitzer Xiaoyong Zhao stehen unter grossem Druck: In 40 Tagen muss die ­Bestellung eines Grosskunden aus Amsterdam fertig sein. Der holländische Inhaber eines Souvenirshops – mit dem Xiaoyon seit Jahren im Geschäft ist – hat 800 in Ölfarbe reproduzierte Van-Gogh-Gemälde geordert.

Auf die gesammelten Werke Vincent Van Goghs hat sich Familienvater Xiaoyong Zhao seit 20 Jahren spezialisiert, er träumt sogar bisweilen von ihm, seit er vom Bauernhof seiner Eltern in der Provinz in die Grossstadt Shenzhen gezogen ist. Hier, im Stadtteil Dafen, hat ein Hongkonger Geschäftsmann 1989 ein Malatelier, spezialisiert auf Reproduktionen europäischer Meister, eröffnet. Heute arbeiten im Gassengewirr von Dafen über 10000 Maler, stellen Kopien für Kunden in aller Welt her und erwirtschaften einen Jahresumsatz von 65 Millionen Dollar.

Bilder endlich im Original sehen

Xiaoyong und seine Mitarbeiter verstehen sich zwar als Handwerker, aber ihr grösster Traum ist es, die Gemälde des Meisters, die sie nur aus Bildbänden und von Postkarten kennen, einmal im Original zu sehen oder gar die Schauplätze seines Wirkens besuchen zu können. Als sich schliesslich dank einer Einladung des holländischen Grosskunden dieser Traum erfüllt, fliegt Xiaoyong, begleitet von drei Familienmitgliedern, ins ferne Europa. Doch die Enttäuschung ist gross, als er sieht, wie «seine» Gemälde nicht in einer Galerie, sondern in einem Ramschladen und dazu noch für das Zehnfache dessen was er erhielt, verhökert werden. Und auch die Tatsache, dass sich im Museum Van Goghs «Sonnenblumen» als kleiner erweisen als in seiner Vorstellung, muss er verschmerzen. Und als ihn, der stolz erzählt, wie lange er schon diese Werke malt, jemand nach eigenen Bildern fragt, gerät sein Weltbild gehörig durcheinander.

Doch er, der Van Goghs Maltechnik perfekt beherrscht, gewinnt durch diese Erfahrung neues Selbstvertrauen. Wieder zu Hause angekommen, malt er jetzt auch seine Oma auf dem Land ganz wie Van Gogh. Chinas Van Gogh ist geboren.

Geri Krebs

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