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Ein mutiger Journalist im deutschen Exil

Politik Im Halbstundentakt treten an der Buchmesse auch politische Autoren und Experten auf. Besonders beachtet: der mutige türkische Journalist Can Dündar. «So paradox es klingen mag: Wenn ich heute vor Ihnen stehe, habe ich das Erdogans Repression zu verdanken», sagt Can Dündar.
Hansruedi Kugler
Can Dündar (l.) im Gespräch bei der «Zeit» (Bild: . Bild: Hansruedi Kugler)

Can Dündar (l.) im Gespräch bei der «Zeit» (Bild: . Bild: Hansruedi Kugler)

Politik Im Halbstundentakt treten an der Buchmesse auch politische Autoren und Experten auf. Besonders beachtet: der mutige türkische Journalist Can Dündar. «So paradox es klingen mag: Wenn ich heute vor Ihnen stehe, habe ich das Erdogans Repression zu verdanken», sagt Can Dündar. Und wirkt dabei erstaunlich entspannt, ja heiter zwischen den zwei Leibwächtern, die links und rechts des Podiums mit Adlerblick die Umgebung und zahlreichen Zuhörer beobachten. Grund zur Angst hätte Dündar. In der Türkei sass er drei Monate in Untersuchungshaft wegen «Spionage» und «Hochverrats». Die Zeit nutzte er, um ein Buch zu schreiben, das zum Bestseller werden könnte – weil es nicht nur vom Gefängnisaufenthalt berichtet und ein düsteres Bild der autoritären Herrschaft Erdogans zeichnet. Sondern auch, weil es ein Beispiel gibt für mutigen Journalismus.

Die Anwälte warnten vor Anklagen

Kaum verwunderlich, gibt es beim Auftritt bei der ARD und eine Stunde später bei der Wochenzeitung «Zeit» ein grosses Gedränge und viel Applaus. Der Chefredaktor der linksliberalen türkischen Zeitung «Cumhuriyet» hatte im Mai 2015 Dokumente und Fotos veröffentlicht, die beweisen sollen, dass der türkische Geheimdienst heimlich Waffen an Extremisten in Syrien lieferte. «Auf der Redaktion waren wir über die Dokumente sehr aufgeregt», sagt Dündar im Interview. Anwälte hätten ihn gewarnt, man werde ihn wegen «Aufdeckung von Staatsgeheimnissen» anklagen. Das brachte seinen Berufsstolz nicht ins Wanken. Die Dokumente hätten bewiesen, dass die Türkei Partei im Syrien-Krieg ergreife: «Die Öffentlichkeit hatte ein Recht, davon zu erfahren.»

Tatsächlich hat Staatspräsident Erdogan persönlich Anzeige gegen Dündar erstattet und öffentlich eine lebenslängliche Strafe gefordert. Nachdem das Verfassungsgericht die Untersuchungshaft aufgehoben hatte, flüchtete Dündar nach Deutschland. Seiner Frau wurde in Istanbul der Pass abgenommen, sie kann ihren Mann nicht mehr besuchen. Dündar wurde zu einer Gefängnisstrafe von 5 Jahren und 10 Monaten verurteilt.

Angst führt zu Selbstzensur

Resigniert aber hat Dündar nicht. Es gebe in seiner Heimat viele mutige Menschen, die für Freiheit einstehen – allen voran seine Frau. Und: «Die Geschichte lehrt, dass Repression immer ein Ende hat und dass Freiheit und Demokratie immer siegen», lautet sein etwas pathetisch anmutendes Credo. Er würde Erdogan sagen, dass die Ära der Sultanate vorbei sei und dass er dem Applaus der Massen nicht trauen sollte. «Diese Zustimmung kann sich plötzlich ins Gegenteil kehren.» Vorderhand sieht es anders aus in der Türkei: «Wenn man einen Journalisten verhaftet, bringt man hundert weitere zum Schweigen», das sei Erdogans Ziel. Denn Angst führe oft zu Selbstzensur. «Aber weil Erdogan so repressiv reagiert hat auf Artikel der freien Presse, fällt das auf ihn zurück», sagt Can Dündar. Denn so paradox es klingen mag: «Die drei Monate Einzelhaft ohne Telefon, ohne Computer waren zwar die furchtbarsten Monate meines Lebens», schreibt er im Buch. Aber sie waren auch die produktivsten.

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