Ein Mann mit Eleganz und Klasse

Mit Joachim Fuchsberger ist einer der grossen deutschen Showmaster und Entertainer gestorben. Als Schauspieler wurde er oft unterschätzt.

Daniel Kothenschulte
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Als im Studio noch geraucht werden durfte – Fuchsberger in der Rateshow «Auf los geht's los». (Bild: ky/Str)

Als im Studio noch geraucht werden durfte – Fuchsberger in der Rateshow «Auf los geht's los». (Bild: ky/Str)

Joachim Fuchsberger hat es vielleicht nie erfahren, aber zu seinen grössten Bewunderern zählte Quentin Tarantino. Als der amerikanische Kultfilmer im Jahre 2004 beim Festival von Venedig eine Auswahl italienischer Genrefilme der 60er-Jahre zeigte, die er in alten Filmkopien sammelt, schwärmte er von dem Deutschen so enthusiastisch wie von einer persönlichen Entdeckung, die er den Anwesenden wie einen «Geheimtip» präsentierte. Tarantino wusste nichts von Fuchsbergers Ruhm als Grandseigneur der deutschsprachigen Fernsehunterhaltung. Was er in einer langen Einführung rühmte, war seine einzigartige Leinwandpräsenz als Inspektor in Edgar-Wallace-Filmen wie dem unkonventionellen italienischen Nachzügler der Filmreihe, den er an diesem Abend zeigte: «Das Geheimnis der grünen Stecknadel». Niemand sonst konnte für Tarantino aus dem betagten Kinoklischee des ermittelnden Kriminalbeamten ein solches Ereignis machen.

Kein Lob aus der Heimat

Dieser Augenblick glich einer Offenbarung. Da legte einer der wichtigsten Hollywoodregisseure den Finger auf die Arbeit eines Schauspielers, den er für einen Vergessenen der Filmgeschichte hielt. Und in der Tat: Wer hätte den gebürtigen Stuttgarter schon in seiner Heimat dafür gelobt, obskuren Filmen durch seine Präsenz Würde zu geben und Klasse, Energie und eine feine Ironie. Eigenschaften, die Tarantino ein paar Jahre später an Christoph Waltz entdeckte, den er zu zwei Oscars führte.

Eleganz und Klasse, Fuchsberger führte beides mit sich, wo immer man ihn sah. Und da es von beidem eigentlich nie genug gibt, nicht im Genre-Kino und erst recht nicht auf dem Bildschirm, war er sehr gefragt. Er besass das Talent, Quiz-Shows zu Kulturveranstaltungen zu erheben, freilich frei von jeder Bildungsattitüde. Man kann nicht behaupten, dass er in der grossen Zeit des deutschen Fernsehens, den Sechziger- und Siebzigerjahren, allein gewesen wäre. Seine Kollegen Hans-Joachim Kulenkampff, Hans Rosenthal, Dietmar Schönherr, Robert Lembke und Hellmut Lange trugen wie er dazu bei, eine Art von «Unterhaltung für alle» zu machen, die es heute kaum noch gibt. Weil sie niemanden ausschloss, gleich welcher Altersgruppe oder Schicht. Nicht einmal die Intellektuellen.

Auf Augenhöhe mit jedem Gast

Bescheidenheit, sagt man, sei eine Zier, doch weiter komme man nicht mit ihr. Joachim Fuchsberger hat diese Regel widerlegt. Über seine Schauspielarbeit in rund sechzig Filmen sagte er nur: «Es gibt Schauspieler, Darsteller und Komödianten. Ich gehöre zu den brauchbaren Darstellern.» In seiner Talkshow «Heut' abend» näherte er sich jedem Studiogast auf Augenhöhe.

1954 gelang ihm als Schauspieler der Durchbruch als Gefreiter Asch in der Filmtrilogie «08/15». Der überaus populäre Kriegsfilm entsprach dem Bild der Wehrmacht, das in der bundesdeutschen Nachkriegszeit gepflegt wurde. Auch wenn der beherzte Gefreite sich mit Vorgesetzten anlegt und schliesslich Nazi-Offiziere am Untertauchen hindert, bleiben die schlimmen Kriegsverbrechen ausgespart.

Der 1927 geborene Fuchsberger hatte zu Kriegsende selbst noch an der Ostfront gedient. Nach britischer Kriegsgefangenschaft arbeitete er 1946 als Bergmann in Recklinghausen. Von 1950 bis 1952 war Fuchsberger Hörfunksprecher, im Kino hörte man ihn Wochenschauen kommentieren. Eine seiner populärsten späteren Rollen spielte er 1973 in der Erich-Kästner-Verfilmung «Das fliegende Klassenzimmer». Hier war er Justus Bökh, das Idealbild eines Lehrers, den seine Schüler ehrfürchtig «Justus» nennen, den Gerechten. Was für eine Qualifikation für einen Showmaster.

Zweiter Wohnsitz in Australien

Von 1977 bis 1986 moderierte er die Samstagabend-Rateshow «Auf los geht's los». Sein Abschied entfachte eine Mediendebatte: In der Presse war er für «verbale Entgleisungen» kritisiert worden, ein Vorwurf, der seine Karriere freilich ebenso wenig beenden konnte wie im Folgejahr das Scheitern des internationalen Show-Projektes «90 Minuten». Anschliessend zog sich Fuchsberger für einige Jahre nach Australien zurück, wo er einen zweiten Wohnsitz unterhielt. Zwanzig Mal porträtierte er den Kontinent zwischen 1988 und 2003 in einer Reportage-Sendung.

Charmant und vertrauenswürdig

In Erinnerung bleibt Fuchsberger als einer der wenigen Untadeligen des Fernsehens, eine stets vertrauenswürdige Erscheinung, die seinen Studiogästen auf charmante Art Geheimnisse entlockte. Seine Show «Heut' abend» brachte es auf nicht weniger als dreihundert Ausgaben. Nach einem Schlaganfall im letzten Jahr hatte Fuchsberger scherzhaft angekündigt, keine Hauptrollen mehr übernehmen zu wollen – es sei denn, sie spielten im Bett. Die für diesen Sommer geplanten Dreharbeiten des geplanten ARD-Fernsehfilms «Über(s)Leben» wurden wegen weiterer Krankenhausaufenthalte verschoben. Gestern ist Fuchsberger, 87jährig, in seinem Haus in Grünwald bei München gestorben.

«Blacky» als Inspektor in einer Wallace-Verfilmung. (Bild: ky/dpa)

«Blacky» als Inspektor in einer Wallace-Verfilmung. (Bild: ky/dpa)

Ein gern gesehener Gast: Fuchsberger während einer Talkshow im April 2014. (Bild: ky/dpa/Sven Simon)

Ein gern gesehener Gast: Fuchsberger während einer Talkshow im April 2014. (Bild: ky/dpa/Sven Simon)

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