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Ein Mädchen erfindet sich die Welt neu

Meine zweite Mutter hat mir nur zehn ungarische Wörter beigebracht, die Zahlen von eins bis zehn: egy, kett, három, négy… Ich kann die Zahlen und die Aussprache noch immer. Edit ist in Ungarn aufgewachsen, hat meinen Vater 1960 geheiratet und ist ihm in die Schweiz gefolgt.
Dieter Langhart
book (Bild: Dieter Langhart)

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Meine zweite Mutter hat mir nur zehn ungarische Wörter beigebracht, die Zahlen von eins bis zehn: egy, kett, három, négy… Ich kann die Zahlen und die Aussprache noch immer. Edit ist in Ungarn aufgewachsen, hat meinen Vater 1960 geheiratet und ist ihm in die Schweiz gefolgt. Hier schloss sie mit der Vergangenheit ab, mit den Jahren versiegten auch die Briefwechsel mit ihren Freundinnen. Seither interessiert mich ihr Land, seither erkunde ich es – über seine Literatur.

«Ich hatte wenige Erinnerungen an meine Mutter.» So beginnt Zsuzsa Bánk (geb. 1965 in Deutschland) ihren ersten Roman «Der Schwimmer». Sie erhielt dafür 2003 den Aspekte-Literaturpreis für das beste deutschsprachige Prosadébut, wie zwanzig Jahre davor die in Müllheim lebende Zsuzsanna Gahse (geb. 1946 in Ungarn) für «Zero». Die Schriftstellerinnen könnten unterschiedlicher nicht sein, auch wenn sie ausschliesslich deutsch schreiben.

Die kleine Kata erzählt, wie ihr Bruder Isti und sie sich eine neue Welt erfinden, denn die bisherige ist nicht mehr: «Meine Mutter hat meinem Vater nicht widersprochen. Sie hat ihn verlassen.» Wortlos. Hinüber in den Westen. Die Kinder folgen ihrem schwermütigen Vater auf seiner Odyssee quer durchs Land. Kata erzählt, was sie sieht und hört, was man ihr erzählt – nichts stört die Ich-Perspektive des Mädchens. Dann taucht Isti, der kleine grosse Schwimmer, ab ins Zwischenreich des Vergessens. «Der Schwimmer» ist ein leises Buch des Ungewissen. Und grausam bleibt, dass eine Mutter ihre Kinder verlassen hat.

Zsuzsa Bánk: Der Schwimmer, Roman. Fischer 2002

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