Ein goldenes Geschenk

Noch als Seniorin füllte Tina Turner ganze Stadien. Heute wird sie 75 Jahre alt – und bevorzugt das ruhige Leben in Küsnacht. Zum Geburtstag schenkt sie sich eine Weihnachtsbeleuchtung.

Thomas Burgermeister/dpa
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Tina Turner hat heute Grund zum Feiern. (Bild: Keystone)

Tina Turner hat heute Grund zum Feiern. (Bild: Keystone)

Küsnacht. Tina Turner gehört zur Rockgeschichte wie die Rolling Stones oder Diana Ross. Zu ihrem 75. Geburtstag schenkt die Rock-Lady sich und ihrer Gemeinde Licht: Heute schaltet Küsnacht die Weihnachtsbeleuchtung mit dem klangvollen Namen «Goldener Zweig» erstmals ein. Die Gemeinde habe die Beleuchtung für die Seestrasse gemeinsam mit ihrer berühmtesten Bürgerin ausgesucht, schrieb sie in einer Mitteilung. Nicht erst seit diesem Geschenk an Küsnacht ist Tina Turner, die seit 1994 in der Schweiz lebt, seit letztem Jahr den roten Pass besitzt und ihre US-Staatsbürgerschaft abgegeben hat, eine vorbildliche Bürgerin: Wenn das Schweizer Volk an die Urne gebeten werde, dann folge sie diesem Ruf, verriet sie im Sommer in einem Interview mit der «Schweizer Illustrierten».

Höhenflüge und Depressionen
Wenn Tina Turner einst mit Löwenmähne, Netzstrümpfen und ultrakurzem Lederrock «The Best» oder «Private Dancer» anstimmte, lagen ihr die Fans zu Füssen. An Vitalität, Temperament und Ausstrahlung waren die Auftritte der «Queen of Rock'n'Roll» kaum zu überbieten. Dabei geriet fast in Vergessenheit, dass das Leben der Sängerin viele Jahre lang einer Achterbahn aus Höhenflügen und Depressionen glich. Erst mit über 50 fand sie Liebe und Seelenfrieden – an der Seite des Musikproduzenten Erwin Bach.

Solokarriere nach Scheidung
Zur Welt kam die Sängerin, die das Musikmagazin «Rolling Stone» als eine der grössten Stimmen aller Zeiten rühmte, 1939 im US-Bundesstaat Tennessee. Damals war die Aufhebung der Rassentrennung noch weit entfernt und das Leben für die Tochter eines schwarzen Plantagen-Vorarbeiters und einer Mutter mit indianischen Wurzeln alles andere als einfach.

Die Kirche und der Gospelchor boten dem Mädchen mit dem bürgerlichen Namen Anna Mae Bullock die erste Bühne. In der Bluesmetropole St.Louis traf die stimmgewaltige junge Frau, die sich bald Tina nannte, auf den acht Jahre älteren Gitarristen Ike Turner. «A Fool in Love» hiess die erste Single, die Ike und Tina gemeinsam aufnahmen. Damit eroberten sie 1960 die US-Hitparaden. 1962 gab die Sängerin Ike ihr Ja-Wort. Dann verfiel Ike den Drogen. Immer wieder schlug er Tina, wie sie in ihrer Autobiographie schilderte. 1978 wurde die Scheidung rechtskräftig. Um die Trennung schnell hinter sich bringen zu können, hatte die Sängerin auf finanzielle Forderungen verzichtet. Mit einem Schuldenberg am Hals begann die Mutter zweier Söhne von vorn – und lancierte ihre Solokarriere.

Überzeugte Buddhistin
Noch vor gut fünf Jahren stand Tina Turner zum 50. Bühnenjubiläum auf den grossen Bühnen Europas, heute investiert sie ihre Kreativität vor allem in spirituelle Musikprojekte. 2013 richteten die Medien ihr Augenmerk nach Küsnacht: Turner und Bach feierten in ihrem Château Algonquin ihre Hochzeit. Nach der standesamtlichen Trauung fand eine Zeremonie nach den Regeln des Buddhismus statt, zu dem sich Tina Turner schon seit vielen Jahren bekennt.