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«Ein Faktor macht nicht krank»

Nur das Beste soll es für die Kleinsten sein – und nun das: Babymilchpulver enthält Schadstoffe, die Krebs verursachen können. Laut Kinderarzt Josef Laimbacher müssen Eltern deswegen nicht in Panik geraten.
Diana Hagmann-Bula
Chefarzt Jugendmedizin am Ostschweizer Kinderspital St. Gallen (Bild: Coralie Wenger)

Chefarzt Jugendmedizin am Ostschweizer Kinderspital St. Gallen (Bild: Coralie Wenger)

Herr Laimbacher, viele Eltern bereiten den Schoppen für ihr Baby nun wohl mit schlechtem Bauchgefühl zu. Zu Recht?

Solche Ergebnisse von Tests haben immer zwei Seiten. Man darf nun nicht nur das Negative sehen. Wenn Stoffe wie 3-MCPD und Glycidol in Produkten gefunden werden, dann ist das ein Merkmal hoher Qualitätssicherung. Ein Zeichen dafür, dass man hin- und nicht wegschaut.

Das dürfte Eltern kaum beruhigen. Schliesslich ist von Stoffen die Rede, welche die Genstruktur einer Zelle verändern und Krebs auslösen können.

Krebs entsteht in einem hochkomplexen Vorgang, der nicht nur auf einen Faktor – in diesem Fall ein Produkt mit Schadstoffen – zurückzuführen ist. Zahlreiche Faktoren tragen dazu bei, dass jemand an Krebs erkrankt. Etwa die genetischen Voraussetzungen, die Lebensweise. Ausserdem nehmen wir viele schädliche Stoffe zu uns, deren Risiko – anders als bei 3-MCPD und Glycidol – heute noch nicht bekannt ist.

Was fordern Sie als Fachmann?

Dass die Schadstoffe in Babymilchpulver so schnell wie möglich eliminiert werden. Seit rund zehn Jahren sind sie bekannt, seither hat die Branche die enthaltene Menge immerhin um die Hälfte reduziert. Ich wünschte mir, dass schon nächstes Jahr der Grenzwert eingehalten wird, den die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit festgelegt hat. Das gelingt, indem Hersteller die Produktion verbessern.

Das hört sich einfach an, ist es aber nicht.

Das ist so. Damit bei der Verarbeitung von Ölen keine schädlichen Nebenprodukte anfallen, sind nicht nur höhere Standards bei der Raffinierung nötig. Es beginnt schon mit der Bepflanzung, bei der hochwertigeres Saatgut verwendet werden muss. Bei jedem weiteren Schritt sollte das Beste der Leitfaden sein. Aber das Beste ist nicht das Billigste, und eben der Preis zählt so viel.

Was raten Sie unterdessen Eltern, die zur Ernährung ihres Kindes auf Babymilchpulver angewiesen sind?

Sie sollen nicht panisch auf Babymilchpulver verzichten. Säuglingsmilch selber herzustellen ist keine Alternative. Sie deckt den Bedarf der Kleinen nicht. Die beste Ernährung in den ersten vier bis sechs Monaten ist nach wie vor das Stillen.

Es besteht keine akute Gefahr wegen der in Babymilchpulver enthaltenen Schadstoffe?

Nein, bisher sind die Schadstoffe an Tieren getestet worden. Diese reagierten mit krebsartigen Effekten. Beim Menschen können solche Tests nicht durchgeführt werden. Schädigungen werden erst nach Jahren ersichtlich sein.

Führen wir solche Diskussionen erst seit dem Aufkommen von Convenience Food?

Diskussionen dieser Art schon. Davor gab es jedoch andere Probleme. Die Menschen lagerten das Essen selber – nicht immer unter hygienischsten Bedingungen. Und so überzog Schimmelpilz das Essen. Auch er ist gesundheitsschädigend. Neue Verfahren werden immer wieder chemische Reaktionen hervorrufen, bei denen schädliche Nebenprodukte entstehen, die man zuerst erkennen und einstufen muss. Deswegen auf Fortschritt zu verzichten, wäre aber falsch.

Obwohl auch andere Lebensmittel gesundheitsschädigende Stoffe enthalten, scheint die Aufregung bei Babymilchpulver grösser zu sein. Weshalb?

Das junge Leben ist sehr verletzlich. Bei Kindern, die sich in der Entwicklung befinden, können kritische Stoffe grösseren Schaden anrichten als bei Erwachsenen. Nicht nur die Lebensmittelindustrie muss sich dessen bewusst sein, auch die Eltern daheim. Die Erziehenden sollen Lebensmittel wie Chips und Backwaren aber nicht verteufeln, sondern massvoll damit umgehen. Gegen gelegentlich Süsses oder Snacks hat niemand etwas einzuwenden.

«Gelegentlich» ist manchen Kindern zu wenig. Welche Tips geben Sie Eltern, um gute Essgewohnheiten durchzusetzen?

Ich selber nehme täglich fünf Portionen Früchte oder Gemüse zu mir. Das ist ein wichtiger Beitrag zu einer ausgewogenen Ernährung. Und wenn der Grossvater zum Znüni eine Birne isst statt Schokolade und der Enkelin immer wieder einen Schnitz zusteckt, dann lernt sie von klein auf, woraus eine sinnvolle Zwischenverpflegung besteht. Essen ist vor allem auch Beziehung.

Babymilch schmeckt den Kleinsten, doch sie ist mit Schadstoffen belastet. (Bild: famveldman/Fotolia)

Babymilch schmeckt den Kleinsten, doch sie ist mit Schadstoffen belastet. (Bild: famveldman/Fotolia)

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