Ein Dschungel auf Hüfthöhe

Was habe ich Erde geschleppt. Im Gartencenter vermuteten sie schon, ich würden eine Gärtnerei eröffnen. Was habe ich mir Gedanken über den Standort gemacht. Die Nachbar dachten schon, ich würde einen Teich anlegen, so wie ich den Garten vermass.

Katja Fischer De Santi
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Bild: Katja Fischer De Santi

Bild: Katja Fischer De Santi

Was habe ich Erde geschleppt. Im Gartencenter vermuteten sie schon, ich würden eine Gärtnerei eröffnen. Was habe ich mir Gedanken über den Standort gemacht. Die Nachbar dachten schon, ich würde einen Teich anlegen, so wie ich den Garten vermass. Dabei habe ich mich nur durchgedrungen, endlich auch so ein Ding zu bauen. Sie wissen schon, das, was jetzt alle haben: ein Hochbeet.

Es macht sich neuerdings doch niemand mehr den Rücken krumm für ein paar Bohnen und Zucchini. Der Mensch hat vor Jahrmillionen den aufrechten Gang gelernt – und innerhalb kürzester Zeit das Gärtnern auf Wadenhöhe verlernt. Jahr für Jahr wurden mehr Gemüsegärten eingeebnet, asphaltiert, terrassiert. Zu anstrengend das ewige Jäten, zu aussichtslos der Kampf gegen die Schnecken, zu gross vielleicht auch das kindliche Trauma von heissen Nachmittagen im Bohnenbeet statt in der Badi. Und dann, als es schon fast zu spät schien, kam das Hochbeet. Und ja, es ist sehr angenehm auf Hüfthöhe zu pflanzen und zu jäten. Und ja, nur die verwegensten Schnecken schaffen es bis an meine höhergestellten Salate.

Ein Nachteil hat so ein Hochbeet aber; sein Platz ist beschränkt. Mein gärtnerischer Eifer allerdings ist grenzenlos (vor allem beim Kauf von Setzlingen). Die nährstoffreiche Erde und die vielen Sonnentage haben noch das ihre beigetragen, so dass aus meinem Hochbeet eine Art tropischer Dschungel geworden ist. Zucchini und Tomaten, Fenchel und Salate, Radieschen so gross wie Pflaumen und überall Rucola; es gibt kein Durchkommen mehr. Für die Ernte wünsch ich mir eine Machete.

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