Ein cleveres Partyspiel gewinnt

«Codenames» heisst das «Spiel des Jahres 2016». Damit hat nach einigen Jahren mal wieder ein Kommunikationsspiel den begehrtesten Spielepreis der Welt gewonnen. Ins Jury-Lob zu «Codenames» mischt sich aber ein Kritikpunkt.

Hendrik Breuer
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Beim Spiel «Codenames» geht es darum, Wörter mit anderen Begriffen zu umschreiben. (Bild: Hendrik Breuer)

Beim Spiel «Codenames» geht es darum, Wörter mit anderen Begriffen zu umschreiben. (Bild: Hendrik Breuer)

Im vom tschechischen Spieleautoren Vlada Chvatil entwickelten Spiel «Codenames», von dem weltweit bereits über 400 000 Exemplare verkauft worden sind, treten zwei Teams gegeneinander an. Sie versuchen jeweils, 8 Begriffe von 25 ausliegenden zu identifizieren, Begriffe können beispielsweise «Gras», «Lotterie» oder «Berlin» sein. Ein Teamleiter kennt die gesuchten Begriffe und darf sie umschreiben, allerdings nur – und das ist der Clou bei «Codenames» – mit einem Wort und einer Zahl, wobei die Zahl angibt, auf wie viele der gesuchten Begriffe das genannte Wort zutrifft.

Man will nicht mehr aufhören

Um zu gewinnen, muss man über Bande denken, so dass «Irland: 2» die Wörter «Schaf» und «Kobold» beschreiben kann und «Rendez-vous: 3» vielleicht «Kerze», «Kino» und «Pumps» oder «Limousine» oder «Ring», wer weiss das schon so genau. In der richtigen Gruppe mit Erwachsenen und Jugendlichen – für kleinere Kinder ist das Spiel eher nichts – entwickelt sich «Codenames» schnell zu einem der besten Partyspiele der letzten Jahre. Häufig will man gar nicht mehr aufhören zu spielen und es wird Revanche über Revanche gefordert. Da passt es, dass eine Partie selten länger als 20 Minuten dauert.

In ihrer Begründung erklärt die Jury des Preises dann auch: «Einer ersten Partie <Codenames> folgt oft die zweite. Dann die dritte, die vierte. Das Spiel mit Assoziationen übt einen Sog aus, dem sich kaum jemand entziehen kann.» Möglichst viele Wörter mit einem Begriff zu umschreiben, ohne auf Wörter der Konkurrenz hinzuweisen – diese wiederkehrende Aufgabe sei wie ein Rätsel, das man unbedingt lösen möchte.

Sprachjongleure würden «Codenames» lieben. In dem Lob der Juroren steckt allerdings auch ein Kritikpunkt am genialen Spiel. «Codenames» funktioniert am besten, wenn alle Spielenden ungefähr auf derselben Wellenlänge liegen, sowohl in intellektueller als auch kreativer Hinsicht. In allzu heterogenen Gruppen, demzufolge auch in vielen Familien, kann das Spiel auch mal floppen.

Zwei weitere lohnende Spiele

Neben «Codenames» waren zwei weitere Spiele für den Preis nominiert. «Imhotep» behandelt eines der populärsten Brettspiel-Themen überhaupt, das Bauen in der Antike. In diesem Spiel werkeln alle an altägyptischen Monumente herum und versuchen dabei, sich gegenseitig die lukrativsten Bauplätze wegzuschnappen. Es wird taktiert und gezockt. Wer die Mitspielenden am besten einschätzt und die grossen Bausteine clever einsetzt, gewinnt. «Imhotep» bietet ein bekanntes Thema, das aber frisch aufbereitet wurde. Bei «Karuba», dem dritten nominierten Spiel im Bunde, versuchen alle Spielenden gleichzeitig, auf ihren Inseln Pfade zu verschollenen Tempeln zu legen, dabei haben alle dieselben Plättchen zur Verfügung. Es geht darum, einen besseren Weg als die Mitstreiter zu finden. Das ist einigen Spielenden nicht interaktiv genug und zu solitär. Wer gerne tüftelt, kommt aber auf seine Kosten, denn ein rundes Spiel ist «Karuba» allemal; zudem kann es schon von Achtjährigen gespielt werden.

Die Verleger von «Codenames» dürfen dem Spiel nun das weltbekannte Logo des «Spiel des Jahres» auf die Schachtel drucken. Der seit 1979 vergebene «rote Pöppel» garantiert, dass Hunderttausende Exemplare des Gewinnerspiels über die Ladentheken wandern und das Spiel im Weihnachtsgeschäft zum Bestseller wird.

Codenames, Heidelberger Spieleverlag, ab 2 Spielende ab 14 Jahren, Fr. 25.90

Codenames, Heidelberger Spieleverlag, ab 2 Spielende ab 14 Jahren, Fr. 25.90