Eigentlich mag ich Ausländer, aber…

Sie sind überall und werden immer mehr: politisch korrekte Menschen, die einem ihre wirkliche Meinung erst hinter dem Wörtchen «aber» mitteilen. Penibel achten sie darauf, dass sie keine Angriffsfläche bieten.

Chris Gilb
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Yellow line notepad with pen on top isolated on a white background. (Bild: Chris Gilb)

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Sie sind überall und werden immer mehr: politisch korrekte Menschen, die einem ihre wirkliche Meinung erst hinter dem Wörtchen «aber» mitteilen. Penibel achten sie darauf, dass sie keine Angriffsfläche bieten. Niemand will in unserer liberalen Zeit als Rassist oder Homophober bezeichnet werden, aber ein kleines Aber wird man sich doch noch erlauben dürfen. Dies dachte wohl auch die Dame, die sich im Bus neben mich setzte, an einem dieser Tage, an denen alles schief läuft.

Meine Katze schrie aus ihrer Tragtasche wie ein kleines, allein gelassenes Baby. Sie liebt es, Busse vom Balkon zu beobachten, keiner entgeht ihr. In ihnen zu sitzen, geniesst die Katze weniger. Ich hatte sie gerade aus der Ferienpension abgeholt, was ich auch der liebenswürdigen älteren Dame erzählte. Im Gegensatz zu meinen Mitfahrenden, die mich nur feindselig ansahen, begann sie, meiner Katze gut zuzureden. Ich war unglaublich dankbar, in meiner misslichen Lage nicht mehr alleine zu sein, und lehnte mich schon für einen kurzen Moment der Entspannung zurück. Doch ich hatte mich zu früh gefreut: «Eine Katze zu haben, ist wirklich etwas Schönes», begann sie, «aber sie in eine Pension zu geben, ist einfach unmenschlich. Stellen Sie sich vor, Sie wären als Kind in eine Pension abgeschoben worden», beendete sie ihren Satz. Ich habe mir seitdem vorgenommen, Menschen vor einem Gespräch zu fragen, ob sie zur «Aber-Fraktion» gehören. Wenn ja, höre ich ihnen nur noch nach dem Aber zu. Alles andere ist Zeitverschwendung, denn ich mag keine Heuchler.