DURCHSCHNITTLICHE JUNI-TEMPERATUREN SEIT 2000: Gluthitze von den Azoren

Seit dem Jahr 2000 erleben wir die wärmsten Juni-Monate seit dem Messbeginn im Jahr 1864. Dieser Juni gehört zu den ganz heissen und ist nahe bei jenem im Jahrhundertsommer 2003.

Bruno Knellwolf
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Bademeister sind die Profiteure der aktuellen Juni-Hitze. (Bild: Michel Canonica (Goldach, 21. Juni 2017))

Bademeister sind die Profiteure der aktuellen Juni-Hitze. (Bild: Michel Canonica (Goldach, 21. Juni 2017))

Bruno Knellwolf

bruno.knellwolf

@tagblatt.ch

Hochsommer im Juni. Schon vor dem gestrigen Beginn des kalendarischen Sommers hat Meteo Schweiz am Dienstag eine Hitzewarnung der Stufe 3 herausgegeben. Bis am Montag wird uns die Hitzewelle sicher noch im Griff haben und die mittlere der fünf Gefahrenstufen reicht über das ganze Mittelland vom Genfersee bis zum Bodensee. Heute wird mit dem heissesten Tag bis 35 Grad Celsius gerechnet.

«Das schöne Wetter kommt von sommerlichen Hochdruckgebieten, welche vom Atlantik her nach Mitteleuropa ausgreifen», sagt Stephan Bader von der Abteilung Klima von Meteo­Schweiz. Man spricht vom Azorenhoch. «In den letzten Tagen hat sich ein Hoch direkt über Mitteleuropa installiert», erklärt der Meteorologe.

Der Sommer ist dieses Jahr sowieso früh dran. Schon Mitte Mai meldete er sich und brachte Sommertage mit 25 Grad und mehr. Hitzetage mit 30 Grad wurden gegen Monatsende im Tessin, im Wallis sowie in mehreren Regionen der Alpennordseite registriert. So lag der Mai im landesweiten Mittel 1,1 Grad über der Norm der Jahre zwischen 1981 und 2010.

In der Regel ist der Juni recht feucht

Doch eigentlich ist der Juni in der Regel ein recht feuchter Monat – mancher wird sich leidlich an verregnete Konzerte und Partys erinnern. Ganz anders dieses Jahr. Schon der warme Mai war deutlich zu trocken. Die Niederschlagsmengen blieben in einigen Regionen unter 50 Prozent der Norm. «Und nun ist die Juni-Trockenheit im Moment ausgeprägt», sagt Bader. Um den Juni gesamthaft beurteilen zu können, fehle allerdings noch ein Drittel des Monats. Und auf Anfang nächster Woche seien Niederschläge vorausgesagt – und zwar in grossen Mengen. «Das heisst, es kann sich für den Juni insgesamt noch einiges ändern», sagt der Meteorologe.

Jetzt allerdings ist die Trockenheit gross, was man den gelben Rasenflächen ansieht. «Bis aktuell hat der Messstandort St. Gallen erst 58 Millimeter Niederschlag erhalten. Das ist 38 Prozent der normalen Junimenge von 153 Millimetern Regen.» Falls es wider Erwarten keine weiteren Juniniederschläge gäbe, wäre das der zweittrockenste Juni seit Messbeginn 1864. Den bisher trockensten Junimonat mit nur 54 Millimetern Niederschlag erlebte St. Gallen im Hitzesommer 2003.

Erinnerung an den Jahrhundertsommer 2003

Von diesem ausserordentlichen Sommer 2003 sprechen nun auch alle. Man erinnert sich, wie der Himmel wochenlang einfach nur blau war. Doch Bader relativiert. «Die Sommerhitze hat eben erst begonnen.» Für einen Vergleich mit dem Hitzesommer 2003 sei es noch zu früh, dieser habe einen rekordheissen Juni, einen heissen Juli und dazu noch einen rekordheissen August gebracht. «Doch der Juni 2017 als landesweit zweitheissester seit Messbeginn 1864 ist schon ein guter Anfang. Am Messstandort St. Gallen liegt der Juni 2017 bisher rund drei Grad über der Norm von 15 Grad», sagt Bader.

Die Hitze und Trockenheit ist allerdings ein mitteleuropäisches Phänomen, wie Bader erklärt. In Norwegen zum Beispiel gab es in den letzten Wochen bei tiefen Temperaturen viel Schneefall, so dass die Skigebiete ihren Betrieb wieder aufnahmen.

Bei uns macht sich der heisse Sommer derweil in der Auto-Pannenstatistik bemerkbar. Rund ein Sechstel mehr Pannen sind dem Versicherer Axa Winterthur seit diesem Monatsbeginn im Vergleich zum Juni im Vorjahr gemeldet worden. Dabei ist jeweils erst im Juli und August Pannen-Hochsaison.