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Distelbohrfliegen halten Disteln im Zaum

Das Wort Distel hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Bauern denken dabei an Unkraut, bei Naturliebhabern sind sie als dekorative Pflanzen beliebt. Die ebenfalls zu den Distelgewächsen gehörende Artischocke gilt für menschliche Geniesser gar als Delikatesse.
Siegfried Keller
Die Distelbohrfliege bei der Eiablage auf einer Kratzdistel. (Bild: pd)

Die Distelbohrfliege bei der Eiablage auf einer Kratzdistel. (Bild: pd)

Das Wort Distel hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Bauern denken dabei an Unkraut, bei Naturliebhabern sind sie als dekorative Pflanzen beliebt. Die ebenfalls zu den Distelgewächsen gehörende Artischocke gilt für menschliche Geniesser gar als Delikatesse. Für spezialisierte Insekten sind aber alle Disteln Delikatessen trotz ihres scheinbar schützenden Stachelkleides.

Zu diesen Spezialisten gehören erstaunlich viele Insekten, besonders Schmetterlingsraupen sowie Rüsselkäfer- und Bohrfliegenlarven. Während sich die Rüsselkäferlarven und die Raupen von den nahrhaften Samen ernähren, leben die Bohrfliegenlarven in den Blütenböden und in den Stengeln.

Bei uns sind vor allem zwei Distelbohrfliegenarten verbreitet. Die Kleine Distelbohrfliege (Urophora cardui), die Ackerdisteln parasitiert, und die Grosse Distelbohrfliege (Urophora stylata), deren Larven sowohl in der Ackerdistel als auch in der Gemeinen Kratzdistel leben. Doch wie kommen sie dort hinein?

Mit Balzritual

Der Prozess beginnt damit, dass ein Bohrfliegenmännchen eine Distelknospe besetzt und gegen andere Männchen verteidigt, bis ein Weibchen in die Nähe kommt. Sofort beginnt ein Balzritual, bei dem das Männchen seine arttypisch gefärbten Flügel zur Schau stellt. Nach der Paarung legt das Weibchen der Kleinen Distelbohrfliege mehrere Eier in den Stengel der Ackerdistel. An der Einstichstelle entwickelt sich eine eiförmige, harte Galle, in der sich die Larven entwickeln. Das Weibchen der Grossen Distelbohrfliege legt eine Gruppe von Eiern in eine Blütenknospe. Die ausschlüpfenden Larven bohren sich in den Blütenboden ein. Dort geben sie ein Sekret ab, das ihn zu einer starken Wucherung veranlasst. Diese Wucherung wächst zu einer Galle aus, die den Larven sowohl Nahrung als auch Schutz bietet.

Idealer Überwinterungsort

Wenn die Larven ausgewachsen sind, verholzt die Galle und bietet ihren Bewohnern einen idealen Überwinterungsort. Nach der Überwinterung verpuppen sich die Larven, und rechtzeitig vor dem Öffnen der Distelblüten erscheinen wieder die Fliegen.

Die in den Blüten von Disteln lebenden Insekten haben eine grosse Bedeutung. Raupen und Rüsselkäferlarven fressen die Samen, und der Befall mit der Distelbohrfliege führt zur Bildung deformierter, mehrheitlich unfruchtbarer Samen. Dadurch schränken sie das Vermehrungspotenzial der Disteln ein. Wichtiger noch: In Nordamerika und Australien können die eingeschleppten Disteln mit Hilfe dieser nachträglich eingeführten Insekten auf natürliche Art bekämpft werden.

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