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Digitalisierung stresst Familien

Die zunehmende Digitalisierung der Arbeitswelt und ständige Erreichbarkeit belasten das Familienleben und wirken sich negativ auf die Gesundheit aus, wie eine Studie der Universität St. Gallen zeigt.
Bruno Knellwolf
Mobile applications, business software and social media networking service concept: modern black glossy touchscreen smartphone with cloud of color application icons isolated on white background with reflection effect (Bild: (51372889))

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Jene, die vor den Gefahren der Digitalisierung warnen, sind einsame Rufer in der Wüste. Der Berliner Soziologe und Zukunftsforscher Harald Welzer hält die Konsequenzen der Digitalisierung für unterschätzt, und zwar in vieler Hinsicht. Zum einen, was den Energieverbrauch betrifft, zum anderen wegen ihrer Auswirkungen auf unser Zusammenleben. «Die Fortschrittsversprechen durch die Digitalisierung lösen sich nicht ein. Die Leute haben noch weniger Zeit. Sie sind noch gestresster. Die Menge an sinnloser Kommunikation erhöht sich stündlich», sagt Welzer, der auch an der Universität St. Gallen doziert.

Das «Center for Disability and Integration» der Universität St. Gallen hat nun die Auswirkungen der Digitalisierung der Arbeit auf die Gesundheit der Beschäftigten untersucht und die Studie gestern in Berlin präsentiert.

Befragt wurden über 8000 deutsche Arbeitnehmer, aus deren Antworten die Forscher schliesslich zehn Thesen abgeleitet haben. Wenig überraschend ist, dass die Digitalisierung inzwischen «voll in der Erwerbsbevölkerung angekommen ist», wie Studienleiter Stephan Böhm von der Universität St. Gallen sagt. Das gilt beinahe für alle Berufe und Branchen. Spitzenreiter beim sogenannten Digitalisierungs-Score sind IT- und naturwissenschaftliche Berufe mit 62 Prozent. Schlusslicht sind Reinigungsberufe mit noch 37 Prozent.

Die Digitalisierung verschont kaum jemanden und macht sich auch zu Hause bemerkbar, wie die Studie zeigt. Gemäss Böhm geht die Digitalisierung der Arbeitswelt mit einer Reihe von Beschwerden einher. Dazu gehören Einschlafschwierigkeiten, Kopf- und Rückenschmerzen sowie emotionale Erschöpfung: «Ausserdem hängen 18 Prozent aller Konflikte zwischen Arbeit und Familie mit der Digitalisierung zusammen. Zum Beispiel, dass man das Gefühl hat, aufgrund seiner Arbeit bestimmte familiäre Aufgaben und Pflichten nicht erfüllen zu können.»

Dies könne geschehen, wenn man Stress und Aufgaben aus der Arbeit mit nach Hause trage und deswegen andere Dinge nicht erledigen könne: «Sich um die Kinder kümmern zum Beispiel», sagt Böhm.

Ausgebrannt und emotional erschöpft

Jeder vierte Befragte erklärt deshalb, die digitale Hektik – erhöhtes Arbeitstempo und die Informationsflut – beeinträchtige das Privat- und Familienleben. Bei digital besonders Gestressten sind das sogar 39 Prozent, deren Familienleben wegen der Digitalisierung leidet. Ein Drittel der Befragten fühlt sich nach dem Ende des Arbeitstages verbraucht. 21 Prozent gaben an, sich ausgebrannt zu fühlen, 23 Prozent emotional erschöpft.

Zudem machen sich wegen der zunehmenden Digitalisierung die Hälfte der Befragten Sorgen um den Arbeitsplatz, da die zunehmende Automatisierung viele Stellen in Frage stellt, diese «wegdigitalisiert» werden.

Die Erwerbstätigen spüren den Veränderungsdruck deutlich, weil durch die Digitalisierung der Druck, schneller zu arbeiten und sich dauernd fortzubilden, steigt. Überdurchschnittlich betroffen davon seien Führungskräfte, jüngere Berufstätige und Männer.

Trotz all dieser negativen Auswirkungen der Digitalisierung steht ihr eine Mehrheit der Befragten optimistisch gegenüber. Sie denken, dass ihnen die Technologie mehr Freiheit gibt, dort zu leben und zu arbeiten, wo sie wollen. «Generell finden wir in den Daten auch, dass Arbeitszeitflexibilisierung positiv wirkt und Konflikte verringert, während fixe Arbeitszeiten und besonders Schichtarbeit negativ wirken», sagt Böhm.

Aufgrund der gesammelten Daten geben die Wissenschafter Ratschläge, wie man den unerwünschten Begleiterscheinungen der Digitalisierung entgegentreten kann. «Flexible Arbeitszeiten und Arbeitsorte, Sport, Verzicht auf Diensthandy und Dienstcomputer in der Freizeit und eine gute Beziehung zur Führungskraft gehen einher mit verringerten Arbeits- und Familienkonflikten sowie weniger emotionaler Erschöpfung», sagt Stephan Böhm.

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