Die Zeit, die sie uns brauchen, ist kurz

Urs Kellenberger (58) Romanshorn:

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Urs Kellenberger (58) Romanshorn:

Ich hab mir immer gewünscht, dass wir früh Grosseltern werden. Damit wir noch fit genug sind, um auf dem Boden Lego zu spielen, im Schwimmbad zu planschen und Velo zu fahren. Unsere erste Enkeltochter ist denn auch auf die Welt gekommen, da waren meine Frau und ich um die 50 Jahre alt. Heute haben wir vier Enkelkinder, die zwischen fünf und eineinhalb Jahren alt sind. Alle vier sehen und betreuen wir regelmässig. Getreu nach dem Motto: Hätte ich gewusst, wie viel Spass Enkel machen, hätte ich die zuerst gemacht.

Es braucht viel Planung

Unsere beiden Töchter wollten anfänglich bei ihren Kindern zu Hause bleiben, es hat sich dann aber bei beiden ergeben, dass sie zeitweise wieder gearbeitet haben. Wohl nicht zuletzt, weil wir angeboten haben, auf die Kinder aufzupassen. Mit Fremdbetreuung würde es sich finanziell nicht rechnen.

Da meine Frau und ich berufstätig sind, braucht es schon ziemlich viel Planung, damit wir alles geregelt kriegen. Aber die Zeit, in der uns unsere Enkelkinder wirklich brauchen, ist so kurz, da stellen wir gerne anderes hinten an. Ich kann den Rasen auch an einem anderen Tag mähen, die Velotour kann gut geschoben werden. Nur die Kinder werden wahnsinnig schnell gross. Schon wenn sie in den Kindergarten kommen, verändert sich viel. Spätestens in der Primarschule sind die Gspänli dann interessanter als die Grosseltern.

Ich habe früher viel Zeit mit meinen Töchtern verbracht. Habe sie gewickelt, gefüttert. Es ist also nicht so, dass ich als Grossvater etwas aufzuholen hätte. Aber damals galt es, vieles unter einen Hut zu bringen. Als Grossvater ist genau das Gegenteil der Fall. Ich stelle mich ganz und gar auf den Rhythmus der Kinder ein. Im Estrich herumstöbern, spazieren gehen, ich bin einfach da.

Es ist jetzt viel intensiver

Wenn wir unsere Enkel nicht regelmässig betreuen, wie gerade jetzt, dann suchen wir den Kontakt nicht selbst. Aber unsere Töchter wissen, dass wir jederzeit für sie und ihre Kinder da sind. Wenn wir unsere Enkelkinder, etwa ferienhalber, mal länger nicht sehen, vermissen wir sie schon – sie uns aber auch, das ist ein schönes Gefühl. Klar kennt man das von den eigenen Kindern, aber es ist jetzt intensiver. Vielleicht, weil es weniger selbstverständlich ist. Nur weil wir Ömi und Öpi sind, müssen sie uns ja nicht automatisch mögen.

Wir haben das alles schon einmal gemacht, und auch wenn sich dies oder das ein wenig geändert hat: Das Prinzip bleibt gleich. Unsere Töchter vertrauen uns, weil sie unseren Erziehungsstil kennen. Was wir aber festgestellt haben: Wir sind vorsichtiger geworden. Wir sperren die Treppe in den Keller ab, polstern die scharfen Kanten des Glastisches. Das haben wir bei unseren eigenen Kindern nicht gemacht.

Verwöhnen, aber nicht verziehen

Ein bisschen verwöhnen wir unsere Enkel schon. Grosseltern dürfen das. Unsere Aufgabe ist nicht das Erziehen, wir verziehen sie aber auch nicht. Den bösen, alten Mann spiele ich sicher nicht. Sie sollen spüren, dass sie jederzeit zu uns kommen können, auch wenn sie einen Seich gemacht haben. Klar hoffe ich, dass unsere Enkel uns später nicht vergessen, dass sie ab und an vorbeischauen, vielleicht mal den Rasen mähen oder den Computer flicken, aber erwarten darf man das wohl nicht.

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