Die Roboter kommen

Die Automatisierung der Gesellschaft beschäftigt die Menschen. Für Experten ist klar: Der Trend lässt sich kaum stoppen. Bald dürften selbstfahrende Autos oder Roboter in der Pflege zum Alltag gehören.

Philipp Bürkler
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Erleichtern sie das Leben oder sind sie eine Bedrohung? Die Meinungen über Roboter gehen auseinander. (Bild: epa/Friso Gentsch)

Erleichtern sie das Leben oder sind sie eine Bedrohung? Die Meinungen über Roboter gehen auseinander. (Bild: epa/Friso Gentsch)

Die Stadt Austin im amerikanischen Bundesstaat Texas ist derzeit im Ausnahmezustand. Es ist SXSW, das weltweit grösste Festival für Technologie, Musik und Film mit Ausstrahlung weit über die USA hinaus. In den Strassen flanieren Zehntausende Menschen. Bars und Clubs locken die Besucher mit kostenlosen Drinks und Unterhaltung. An fast jeder Strassenecke gibt es Konzerte oder Pavillons, in denen Technologieunternehmen ihre Innovationen präsentieren.

Während die Menschen auf den Strassen ausgiebig feiern, geht es im Convention Center ernster zur Sache. Noch immer sitzt der Schock nach dem NSA-Skandal tief. Datenschutz und Privatsphäre sind neben der Robotisierung zentrale Themen. Aus seinem Exil in Russland war auch Edward Snowden zugeschaltet. Der Whistleblower forderte Unternehmen wie Google oder Facebook zu mehr Verantwortung im Umgang mit Daten auf. Dennoch bestehe ein Unterschied, ob ein privates Unternehmen Daten von Bürgern sammle oder eine Regierung. «Regierungen haben viel mehr Macht», sagte Snowden. Scharfe Kritik an die amerikanische Regierung übte wenige Tage zuvor auch Eric Schmidt, Verwaltungsratspräsident von Google: «Google wurde im Jahr 2013 Ziel eines Hackerangriffs der NSA.»

«Knight Rider» bald Realität

Neben dem Umgang mit Daten war auch die zunehmende Automatisierung ein grosses Thema. Immer stärker wird der Alltag von Robotern bestimmt. Die gängige Vorstellung eines Roboters ist die einer Maschine in menschlicher Gestalt, wie aus Science-Fiction-Filmen bekannt. Roboter müssten nicht wie R2-D2 aus «Star Wars» aussehen, sagt Carl Bass, Chef des kalifornischen Technologieunternehmens Autodesk (siehe Interview).

In der Technologiebranche hat die Revolution bereits begonnen. Das Potenzial ist enorm. Nicht umsonst hat Google im vergangenen Jahr fünf Unternehmen aufgekauft, die an der Entwicklung von Robotern arbeiten. Das prestigeträchtigste Projekt heisst «Driverless Car». Das kalifornische Unternehmen arbeitet seit drei Jahren an Autos, die eigenständig fahren können. David Hasselhoffs intelligentes Auto K.I.T.T. aus der Serie «Knight Rider» der Achtzigerjahre dürfte bald Realität sein.

In den USA hat Google für seine Fahrzeuge in Nevada, Florida und Michigan bereits die behördliche Strassenzulassung erhalten. Bevor solche Fahrzeuge auch in der Schweiz zugelassen sind, wird es wohl noch zu einer breiten Debatte kommen. Google ist nicht das einzige Unternehmen mit solchen Ambitionen. Der Fahrzeugmarkt wird in den nächsten Jahren jedenfalls einem einschneidenden Wandel unterzogen.

Roboter als Betreuer in Heimen

Während Google an seinen Fahrzeugen experimentiert, entwickeln andere Firmen Roboter im sozialen Bereich. Bereits heute werden in den USA sogenannte Telepresence-Roboter eingesetzt, um Betagte oder Kranke zu betreuen. Geht es gar nach einigen Zukunftsforschern, werden Menschen als Betreuungspersonen eines Tages nicht mehr benötigt, die «soziale Nähe» wird an die Maschine delegiert. Der sich auf zwei Rädern bewegende Telepresence-Roboter hat eine eingebaute Kamera, mit der sich die zu betreuende Person über das Internet überwachen lässt. Futurologen und Technologen sehen in solchen Robotern die Lösung des demographischen Problems der Überalterung. Menschen werden immer älter, während Altersheime zunehmend Mühe haben, Betreuungspersonal zu finden. Sozialwissenschafter hingegen beobachten diese Entwicklung mit Sorge. Wer seine Mitmenschen aus der Distanz «beobachte», habe weniger Zeit für persönliche Kontakte: «Das ist die grösste Sorge unter uns Wissenschaftern», sagt Yvette Pearson, Professorin für Philosophie und Religion.

Man dürfe solche Technologien nicht grundsätzlich verteufeln, sagt der Experte Carl Bass. Gerade in Heimen würden Roboter den Menschen das Leben erleichtern oder könnten positive Auswirkungen auf das Wohlbefinden haben. «Wenn ich am Morgen aufstehe und schlecht gelaunt bin, kann mich der Roboter mit einem wohlgemeinten Satz aufmuntern.» Das könne gerade für alleinstehende Menschen von Vorteil sein.