Die Männer cremen sich mehr ein

Die Herren der Schöpfung werden eitler und leisten sich Kosmetik. Mit Sonnencreme beugen sie Falten vor. Doch die Cremes werden oftmals überschätzt. Mit bösen Folgen für die Haut.

Melissa Müller
Drucken
Teilen
Sonnencreme allein genügt nicht: Im Schatten bleiben und Kleidung tragen ist das A und O, um Hautkrebs vorzubeugen. (Bild: fotolia)

Sonnencreme allein genügt nicht: Im Schatten bleiben und Kleidung tragen ist das A und O, um Hautkrebs vorzubeugen. (Bild: fotolia)

Mancher Mann zupft sich die Augenbrauen, trägt Gesichtsmasken auf und schreckt auch vor Botoxspritzen nicht zurück. «Kosmetik und Aussehen spielen bei Männern eine immer wichtigere Rolle», sagt der St. Galler Arzt Silvio Dudli, der sich auf medizinische Kosmetik und Laserbehandlungen spezialisiert hat. Bereits 40 Prozent seiner Patienten sind männlich, Tendenz steigend. Junge Männer suchen seine Praxis schon wegen kleiner Hautveränderungen auf, wie eines Pickels. «Das war vor zehn Jahren unvorstellbar.» Positiv sei, dass Junge sich konsequenter vor Sonnenbrand schützen und sich eincremen. «Die Kampagnen der Krebsliga und der Dermatologen haben gefruchtet», sagt Dudli.

«Gepflegte verdienen mehr»

Männer eifern in Sachen Schönheit den Frauen nach. Der Kosmetikmarkt für Männer sei wachsend, bestätigt Petra Huber, Dozentin für Kosmetologie an der ZHAW in Wädenswil. «Auch Männer wollen gut aussehen. Denn wer gepflegt auftritt, kommt besser an und verdient auch mehr.»

Hautkrebs nimmt zu

Für viele ist es selbstverständlich, sich vor dem «Sünnele» einzucremen, um durch UV-Strahlen ausgelösten Faltenbildungen vorzubeugen. «Das könnte sich in der Zukunft auch positiv auf die Hautkrebsrate der älter werdenden Bevölkerung auswirken», sagt Kosmetologin Petra Huber.

«Ich wäre froh, wenn ich diese These bestätigen könnte», sagt hingegen Antonio Cozzio, Chefarzt der Klinik für Dermatologie und Allergologie am Kantonsspital St. Gallen. «Nach wie vor nehmen die Fälle von Hautkrebs von Jahr zu Jahr zu.» Vor allem Männer aus der Arbeiterschicht sind betroffen. Je mehr Sonnenbrände jemand im Laufe des Lebens hatte, desto grösser ist die Chance, später an Hautkrebs zu erkranken. «Die Haut vergisst nicht», sagt Dermatologe Antonio Cozzio. «Die Rechnung bezahlt man aber erst 20 Jahre später.»

Bauarbeiter sind gefährdet

Männer, die viel draussen arbeiten und chronisch der Sonne ausgesetzt sind – wie Bauarbeiter und Landwirte, aber auch langjährige Outdoor-Sportler wie Segler –, bekommen eher den weissen Hautkrebs, im Englischen «Blue Collar Disease» genannt – nach der Bekleidung vieler Arbeiter. Beim schwarzen Hautkrebs sprechen die Ärzte vom «White Collar Disease» – nach dem weissen Kragen der Büroangestellten, die sich in den Strandferien tagelang an die pralle Sonne legen, bis sich die Haut krebsrot färbt.

Jedes ungeschützte Sonnenbad erhöht das Risiko, an Hautkrebs zu erkranken. Man dürfe sich jedoch nicht auf die Sonnencreme verlassen, meint Antonio Cozzio – da wiege man sich in falscher Sicherheit. Eine Creme mit Faktor 50 sei noch kein Freipass, um an der Sonne zu brutzeln.

Was gegen die Alterung nützt

Die Industrie verdient mit Sonnencremes viel Geld. Viel wichtiger als das Eincremen ist laut Cozzio aber ein vernünftiges Verhalten: «Halten Sie sich zwischen 11 und 15 Uhr im Schatten auf. Schützen Sie sich mit Mütze und Hemd vor den UV-Strahlen.» Die Sonnencreme kommt bei der Vorsorge an dritter Stelle. Sie schützt nicht nur vor schmerzhaften Sonnenbränden, sondern auch vor vorzeitiger Hautalterung – und spielt in der Hautpflege eine wichtige Rolle. «Tragen Sie morgens eine Creme mit UV-Schutz auf und nachts eine Vitamin-A-Creme», empfiehlt Silvio Dudli, der auf kosmetische Medizin spezialisiert ist. «Das ist das beste Antiaging.» Vitamin-A-Creme sei in der Apotheke erhältlich; es schäle und erneuere die Haut. Teure Kosmetik, die Falten wegzaubern soll, kann man sich also sparen.