Die lebenswichtigen Botschaften der Hormone

Dass im Frühling die Hormone verrückt spielen, ist nach Auskunft der Fachleute ein Ammenmärchen. Hormone werden immer streng kontrolliert – und sie sind lebenswichtig.

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Von Hormonen gesteuert: Die befruchtete Eizelle.

Von Hormonen gesteuert: Die befruchtete Eizelle.

Dass im Frühling die Hormone verrückt spielen, ist nach Auskunft der Fachleute ein Ammenmärchen. Hormone werden immer streng kontrolliert – und sie sind lebenswichtig.

Es ist das Licht, es ist die Wärme, wenn wir den Frühling spüren. Es sind nicht die Hormone, erklärt der deutsche Endokrinologe Helmut Schatz auf «Spiegel Online». Frühlingsgefühle sind «von der Natur gelernt», sie haben nichts mit dem Hormonkreislauf zu tun.

Zum Beispiel Stress

Dieser Kreislauf ist ein Wunderwerk der Natur. Nehmen wir eine Stresssituation. Zuerst tritt der Hypothalamus in Aktion, jener Teil des Zwischenhirns, der den ganzen Hormonkreislauf kontrolliert. Er löst die Bildung des Freisetzungshormons CRH aus, das wiederum auf die Hypophyse wirkt, die Hirnanhangdrüse. Sie wiederum schüttet ACTH aus, und dieses fördert die Freisetzung des Stresshormons Cortisol aus der Nebennierenrinde.

Vom ersten Moment an dabei

Cortisol nun kreist mit dem Blut durch unseren Körper und mobilisiert dessen Energiereserven. Eiweisse werden zu Glucose abgebaut, dem Blutzucker, und dem Körper steht nun mehr Energie zur Verfügung. Wobei ein hoher Cortisolspiegel zugleich die Bildung von ACTH hemmt. So bleibt das System via negative Rückkopplung im Gleichgewicht. Man findet diesen Mechanismus bei fast allen Hormonen, sie ist ein einfacher, aber sehr sensibler Kontrollmechanismus, der eine überschiessende Hormonproduktion verhindert.

Hormone sind Botenstoffe. Sie teilen bestimmten Zellen oder Organen mit, was sie zu tun haben. Von der Befruchtung der weiblichen Eizelle an steuern sie das Wachstum, regulieren den Stoffwechsel und helfen dem Körper, Belastungssituationen zu meistern.

Wie Schlüssel und Schloss

Produziert werden die Hormone von sogenannten endokrinen Zellen. Sie geben ihr Sekret ins Blut ab, und wenn eine Zelle die Botschaft eines Hormons «versteht», reagiert sie. Dazu muss sie an der Oberfläche den passenden Rezeptor besitzen. Das heisst: Hormon und Zelle passen wie Schlüssel und Schloss zueinander.

Man kennt über 50 Hormone, die sich in zwei Klassen einteilen lassen: Die Steroidhormone, zu denen die Geschlechtshormone und das Cortisol gehören, werden aus Cholesterin hergestellt und können direkt in die Zelle eindringen. Insulin und andere Hormone bestehen aus Eiweissbausteinen. Sie müssen bei der Zelle «anklopfen» und ihre Botschaft an der Membran weitergeben.

Weil der Hormonhaushalt so komplex ist, bedeutet jede Einnahme von Hormonen einen gravierenden Eingriff in ein empfindliches Gleichgewicht. Das kann Folgen für den ganzen Organismus haben.

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