Die Kleinen schon so bieder wie die Grossen

Mini-Me, so nennt man Kinder, welche wie eine kleine Kopie ihrer Eltern herumlaufen.

Katja Fischer De Santi
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Mini-Me, so nennt man Kinder, welche wie eine kleine Kopie ihrer Eltern herumlaufen. Sie haben noch nie so ein Exemplar gesehen? Dann setzen Sie sich an einem Samstag in ein Strassencafé und Ihnen wird nach wenigen Minuten ein Mini-Me vorgeführt: Kleine Buben in Hemd, Pullunder und Bundfaltenhose, alles in dunklen, gedeckten Farben, versteht sich. Mädchen in Leggins und Mini-Jupes kombiniert mit Ballerinas und einem Trenchcoat. Auch Lederjacken, Converse-Turnschuhe und Poloshirts gehören in den Kleiderschrank eines jeden Mini-Me.

Doch was bringt Eltern dazu, ihren Nachwuchs anzuziehen wie junge Erwachsene? Spiessige Erwachsene noch dazu. Ist die Leistungsgesellschaft schuld? Nach dem Motto: Ein Fünfjähriger, der aussieht, als hätte er bereits einen Universitätsabschluss in der Tasche, sollte sich wenigstens für die erste Klasse qualifizieren. Oder ist es die Zeitersparnis? Der Familiengrosseinkauf bei Lacoste und Hilfiger oder H&M und Zara lässt sich so ratzfatz erledigen – die Auswahl der Eltern wird einfach in der angegliederten Kinderabteilung in den Grössen 82 und 116 mitgekauft.

Ob die Modeindustrie auf dieses Phänomen reagiert oder es umgekehrt erfunden hat, ist nicht mehr nachvollziehbar. Doch bei allem Verständnis für Leistungsdruck und Narzissmus: Sollten Kinder nicht ihrem Alter entsprechend gekleidet sein? Schon allein, weil ihre Kindheit die einzige Zeit sein wird, in der sie sorgenlos blaue Pullover mit aufgestickten Tieren und Bommeln zu gelben Stoffhosen anziehen können.

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