Die Idee von der Magerwiese

Ja, den Traum von der Stille, den träumte ich früher auch gerne. Damals, als ich noch in der Stadt wohnte und allen Ernstes glaubte, auf dem Land, da sei sie noch zu finden, diese wohltuende Stille. Ich stellte mir vor, dass man dort dem Gras beim Wachsen zuhören könne.

Katja Fischer De Santi
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Bild: Katja Fischer De Santi

Bild: Katja Fischer De Santi

Ja, den Traum von der Stille, den träumte ich früher auch gerne. Damals, als ich noch in der Stadt wohnte und allen Ernstes glaubte, auf dem Land, da sei sie noch zu finden, diese wohltuende Stille. Ich stellte mir vor, dass man dort dem Gras beim Wachsen zuhören könne. Falsch gedacht: Denn ebendiese Gras muss ja von der ansässigen Landbevölkerung permanent beim Wachsen gehindert werden. Und zwar mit allen Mitteln! Jeder Halm, der es wagt, sich über die Normlänge von eineinhalb Zentimeter zu erheben, wird gnadenlos abrasiert. Als ob sonst die sofortige Verwilderung des ganzen Grundstücks drohen würde. In vegetativ günstigem Klima, wie es gerade jetzt herrscht, kann es also durchaus vorkommen, dass Nachbars Rasenmäher zweimal wöchentlich angeworfen wird. Gerne abends, gerne samstags, gerne über Stunden.

Ja, wer denkt, eine grösstmögliche Rasenfläche erleichtere das Leben, hat sich wortwörtlich geschnitten. Oder hat sich bereits einen Rasenmäher-Roboter angeschafft. Bleibt aber immer noch das Vertikutieren, Düngen und Bewässern, damit aus einer Wiese ein Rasen wird und es auch einer bleibt.

Wir versuchen gerade den umgekehrten Weg. Aus Naturliebe und Faulheit (beides ergänzt sich in einem naturnahen Garten ganz vortrefflich), lassen wir die Wiese im Vorgarten seit zwei Jahren bis mindestens Mitte Juni ungestört wachsen. Subventionen kriegen wir dafür keine. Aber etwas erspriessliche Artenvielfalt in Form von Margriten und Schmetterlingen erhofften wir uns schon. Nun, eine Margerite konnten wir noch nicht sichten. Löwenzahn und Hahnenfuss fühlen sich aber schon sehr wohl.