Die gesunde Bräune gibt es nicht

Aus den Ferien wollen die meisten nicht nur mit Souvenirs, sondern auch mit braungebrannter Haut zurückkehren. Doch nicht erst der Sonnenbrand, sondern bereits das Braunwerden zeigt, dass die Haut angegriffen ist.

Leonie Vollenweider
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Mit gebräunter Haut verbinden viele immer noch erholsame Ferien mit traumhaftem Wetter, in denen man viel Zeit im Freien verbracht hat. Kommt man gleich käsig nach Hause wie man gegangen ist, wird man unweigerlich gefragt, ob das Wetter schlecht gewesen sei. Dabei tut man seiner Haut einen Gefallen, wenn man die Sonne meidet.

Sonne als Hautfeind

«Eine gesunde Bräune gibt es nicht», warnt Aline Binggeli, Kommunikationsbeauftragte der Krebsliga Schweiz. Bräune sei immer ein Zeichen dafür, dass die Haut angegriffen sei. UV-Strahlen im Licht regen spezielle Hautzellen, die Melanozyten, dazu an, dunklen Farbstoff, sogenanntes Melanin, zu bilden. Das Melanin schützt die Hautzellen und die darunterliegenden Hautschichten vor der UV-Strahlung. Überschreitet die Bestrahlung durch die aggressiven UV-Strahlen aber einen gewissen Grenzwert, der bei jedem Menschen individuell ist, treten Hautschäden auf.

Tödliche Langzeitfolgen

Mark Anliker, Leiter Dermatologie und Allergologie am Kantonsspital St. Gallen, erklärt: «Die erste Langzeitfolge von starker Sonneneinwirkung ist die Hautalterung. Die Haut wird schlaff, faltig und wachsartig.» Daneben steige das Risiko, an schwarzem oder weissem Hautkrebs zu erkranken. Der weisse Hautkrebs tritt häufiger auf, der schwarze ist aber gefährlicher. Denn während der schwarze Hautkrebs tödlich sein kann (siehe Kasten), sind Todesfälle bei weissem Hautkrebs selten.

Unvorsichtige Sonnenanbeter

Die Krebsliga hat festgestellt, dass die Bevölkerung heute sensibilisiert ist auf das Thema Sonnenschutz. Mark Anliker bestätigt: «Die Leute schützen sich heute besser vor Sonnenstrahlen. Die Zeiten des exzessiven Sonnenbadens mit zusätzlichen Schnellbräunern wie Ölen oder reflektierenden Halskrausen sind glücklicherweise vorbei.»

Trotzdem legen sich immer noch viele in die Sonne, ohne sich ausreichend Gedanken über den Sonnenschutz zu machen. «Dass Sonnenbrände nicht gut sind für die Haut, ist bekannt. Dennoch bleiben die meisten in der Sonne, bis sie ein Kitzeln auf der Haut verspüren oder leichte Rötungen entdecken», sagt Mark Anliker. Doch dann ist es meist schon zu spät. Die Haut ist bereits gereizt.

Falsche Sicherheit

Auch wer sich vor dem Sonnenbaden mit Schutzmitteln eincremt, ist nicht automatisch auf der sicheren Seite. Untersuchungen hätten gezeigt, dass die meisten Menschen zu wenig Sonnencrème auftrügen, sagt Aline Binggeli: «Das reduziert die Schutzwirkung und man wähnt sich in falscher Sicherheit.» Es sollten 30 Milliliter Sonnencrème auf den ganzen Körper aufgetragen werden und dies immer vor dem Aufenthalt in der Sonne.

Auch mehrmaliges Eincremen garantiere nicht immer ausreichenden Schutz am ganzen Körper, sagt Binggeli. Denn das Nachcremen verlängere den Schutz nicht, es halte ihn nur aufrecht. Ausserdem würden manchmal einige Stellen vergessen werden. Wichtig sei, daran zu denken, dass auch im Schatten – durch reflektierenden Beton oder Wasser – UV-Strahlen auf die Haut gelangen könnten.

Beim Sonnenbaden unter einem Schirm sollte man ebenfalls nicht auf zusätzlichen Schutz verzichten, rät Anliker. «Auch durch einen Sonnenschirm dringt UV-Licht.»

Richtig und einfach schützen

Besser als Sonnencrème und Sonnenschirme schützen laut Aline Binggeli Kleider, Kopfbedeckungen und Sonnenbrillen. Am besten trägt man bunte oder dunkle, synthetische, eng gewobene Kleidung, Hüte mit breiter Krempe und cremt sich an den exponierten Körperstellen ein. Beide Experten raten, möglichst viel Zeit im Schatten zu verbringen. Vor allem zwischen 11 und 15 Uhr sollte man den direkten Kontakt mit der Sonne meiden, da zu dieser Zeit die Belastung durch die UV-Strahlen am stärksten ist.

Moderne UV-Kleidung

Seit einigen Jahren sind spezielle UV-Kleider auf dem Markt. Diese sollen die bedeckten Stellen noch effektiver vor UV-Strahlen schützen. Doch beim Kauf solcher Kleidung ist Vorsicht geboten. Verschiedene Tests haben gezeigt, dass sich der angegebene Lichtschutzfaktor häufig nur auf fabrikneue Kleidung bezieht, wenn der Schutzfaktor am trockenen und nicht gedehnten Stoff gemessen wird. Da dieser aber beim Sport und Spielen starken Belastungen ausgesetzt ist, kann der angegebene Schutzfaktor nach kurzer Zeit um bis zu zehn Prozent sinken.

Aline Binggeli erklärt: «Wichtig ist, dass auf einem Produkt nicht nur der UV-Schutzfaktor ausgewiesen ist, sondern auch darauf hingewiesen wird, nach welchem Standard gemessen wurde.» Für Kleinkinder oder Sportler, die sich mehrere Stunden in der Nähe von reflektierendem Wasser aufhielten, sei solche UV-Schutzkleidung trotzdem zu empfehlen.

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