Die Genuss-Highlights des Jahres

Jede Woche begutachten wir für die Rubrik «Zu Tisch» ein Restaurant in der Ostschweiz. Zum Jahresende blicken wir zurück auf besondere Genussmomente des Jahres 2015: Eine kulinarische Tour von Schlattingen bis Unterschlatt.

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Geheimnisvolle Sinnenfreude

Das «Dreizehn Sinne» steht etwas versteckt in einem Einfamilienhausquartier beim Bahnhof Schlattingen zuunterst im Thurgau. Aber die kurze Suche ist mehr als lohnend. Das junge Wirtepaar Kristin und Cornelius Speinle begrüsst die Gäste mit seinem Sinnesturm, einem Kästchen mit sieben Schubladen, jede enthält einen Vorgeschmack auf den jeweiligen Gang. Dann gibt es etwa eine Praline mit Erbsenpüree, einen mit Geflügelleber gefüllten Apfel oder Hirschrücken mit Variationen von der Rande. Das ist ein geheimnisvolles Fest der Sinne, inszeniert mit Passion und grosser handwerklicher Genauigkeit. «Ein grossartiges kulinarisches Erlebnis», fanden wir nach unserem Besuch.

Krone, Gottlieben

Noblesse im Naturparadies

Von der einladenden Terrasse geht der Blick über den Seerhein zum gegenüberliegenden Naturschutzgebiet. Aber auch das Innere des stolzen historischen Ensembles hat Stil und verbindet gelungen Altes und Neues. Der Rahmen stimmt also, und Freude macht auch, was aus der Küche kommt, wie sich bei unserem Besuch zeigte. Saibling mit Oliven und Wassermelone und Thunfisch mit grünem Spargel waren ein gelungener Auftakt. Und auch das scheinbar Alltägliche überzeugte – wie das Wiener Schnitzel mit einer würzigen Panade, von der man sich gerne das Rezept geben liesse, wie wir fanden.

s'Frank's, Frauenfeld

Manhattan im Thurgau

Ein Kontrapunkt zum bestehenden Angebot der Thurgauer Hauptstadt, eine Bereicherung der lokalen Gastrolandschaft: So fassten wir unsere Eindrücke nach dem Besuch im «s'Frank's» zusammen. Das Ambiente vermittelt einen Hauch Manhattan, die ambitionierte Küche ist international und mediterran. Die Entenbrust und das Duett vom Iberico-Schwein blieben in bester Erinnerung, als Highlight notierten wir das Dessert: einen herrlichen Quarkkuchen mit einem fruchtigen Himbeersorbet.

Wildberg, Jonschwil

Wie Kurzferien

Hier einzukehren fühle sich an wie Kurzferien, fanden wir nach unserem Ausflug auf den Wildberg, den Hausberg von Jonschwil im Untertoggenburg. Seit dreissig Jahren tischen Alois und Marlis Roth in dieser Oase sorgfältig angerichtete Salate, zarte Fleischstücke und kalte Plättli auf – all die grossen und kleinen Lieblingsgerichte, die einen Ausflug adeln. Und da ist als Finale der Wildererkaffee, dessen Ingredienzen seit Jahren ein gut gehütetes Geheimnis sind.

Zur Alten Herberge, Niederbüren

Freude, die ansteckt

Die «Alte Herberge» überzeugte uns mit einer ideenreichen, frischen Küche, zu der etwa ein überbackener Rindsknochen an Kräutern, Knoblauch und Meersalz, ein Rindssteak vom Schulterspitz oder Wild aus regionaler Jagd gehören. Die Dessertkarte lehrt den Gast, bis zum Schluss etwas Platz zu lassen. Die Vollendung des Glücks aber ist die Art, wie Rolf Bossart und sein junges Team Gastronomie interpretieren. Ihre Freude sei spürbar und ansteckend, fanden wir und notierten: «So charmant und heiter wie an diesem Abend werden wir gerne empfangen.»

Zum alte Pflüegli, Gossau

Jung und stilsicher

Aus dem Schneetreiben eines Januarabends traten wir in die heimelige Stube des «Alten Pflüegli» am Rande von Gossau. Warmes Licht, viel Holz, angeregte Gespräche und die entspannte Atmosphäre versetzten uns in Skiferien-Stimmung. Mostbröckli-Carpaccio, Serviettenknödel mit Pilzen und Gemüse sowie der Pflüeglispiess überzeugten mit geschmacklicher und optischer Harmonie. Wir waren ganz angetan: «Da ist ein junges Wirtepaar, das eine herzliche, liebevolle und stilsichere Gastronomie pflegt, ohne sie krampfhaft neu erfinden zu wollen.»

Neueck, St. Gallen

Fleischeslust im Quartier

André Schmid ist gelernter Metzger, wie sein Vater, der 1971 das «Neueck» im Stadtteil St. Fiden übernommen hat. Die Liebe zum Fleisch prägt das Angebot, es gibt Gitzi-Metzgete, Wild aus heimischer Jagd und weitere Leckereien von Cordon bleu bis Pferde-Stroganoff. «Schmids Neueck» aber ist kein Gourmettempel, sondern ein «Juwel von einer Quartierbeiz», wie wir fanden. Eine sympathische Quartierbeiz, in der auch gejasst wird und wo Platz für Vereinsversammlungen ist: Lebhaft, unkompliziert, authentisch.

Hafen, Romanshorn

Schmuckstück am See

Im diesen Sommer eröffneten Restaurant Hafen entdeckten wir «ein Schmuckstück am Schweizer Bodenseeufer». Die Themen Schifffahrt und Wasser sind in Architektur und Einrichtung bis ins letzte Detail stilsicher aufgenommen worden: Auf der Plattform draussen wähnt man sich auf Deck, im Innern im Rumpf eines Schiffes. Auf die Teller kommen Felchenfilets oder Zanderknusperli, aber auch Wild und Fleischklassiker.

Fernsicht, Heiden

Grosses Genusstheater

Tobias Funke, der Name des Gastgebers in der neuen «Fernsicht», weckte hohe Erwartungen. Er erfüllte sie mit confiertem Seeteufel oder Perlhuhnbrust mit gefüllten Calamaretti. Herausragend aber ist die Art, wie hier Essen als abendfüllendes Vergnügen mit Überraschungsfaktor zelebriert wird – ähnlich einem Theaterbesuch oder einem Konzert. Am Anfang erwartet den Gast nicht eine Armada von Bestecken, sondern ein fast leerer Tisch, auf dem das Spektakel nach und nach und entspannt in Gang kommt. «Grosses, delikates Genusstheater in gediegenem Rahmen», notierten wir.

Anker, Unterschlatt

Die Entdeckung

Daniel und Myrtha Geiger-Ender haben den an den «Anker» angebauten Stall abbrechen und aus dem alten Holz einen modernen Speisesaal mit Traumsicht in den Alpstein bauen lassen. Dort tragen sie Altbewährtes wie Spatz und Kutteln auf, aber auch leichte Kreationen wie Salmfilet auf Spargeltagliatelle oder Kalbsschnitzel mit Bärlauchpesto. Das Lokal zwischen Appenzell und Haslen war für uns die Entdeckung: «Einer der aussergewöhnlichsten Restauranträume des Appenzellerlandes und eine Gastronomie, die rundum Freude macht.» (Hn.)

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