Die feige Art, Ferien zu machen

Jetzt war ich also auch einmal dort. In so einem Familienhotel in Tirol, wo alle Schweizer hingehen, weil das Zimmer halt nur die Hälfte und ein Gin Tonic an der Bar nur sieben Euro kostet – und wo das Personal trotzdem noch deutsch spricht.

Roger Berhalter
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Für Bettina Kugler (Bild: Roger Berhalter)

Für Bettina Kugler (Bild: Roger Berhalter)

Jetzt war ich also auch einmal dort. In so einem Familienhotel in Tirol, wo alle Schweizer hingehen, weil das Zimmer halt nur die Hälfte und ein Gin Tonic an der Bar nur sieben Euro kostet – und wo das Personal trotzdem noch deutsch spricht. «Aktiv Family Wellness» heisst das, wenn die Kleinen schon beim Einchecken Spielzeug bekommen. Wenn im Zimmer Bademäntel für Zweijährige hängen. Wenn das Schwimmbad voller Wasserkanonen ist und «Splash World» heisst. Wenn am Buffet neben dem Rauchlachs Baby-Breili im Wasserbad dampfen.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Es war toll! Kein Kellner zuckt mit der Wimper, wenn der Kleine die Pasta-Variation auf dem Teppich verteilt. Die Receptionistin lächelt, wenn der Knirps im triefnassen Bademantel quer durch die Lobby spaziert. Will man seine Ruhe haben, gibt man die Kinder einfach ab, und sie lieben es sogar!

Doch es fühlt sich auch falsch an. Man hat die Komfortzone daheim verlassen, nur um sich in die nächste zu begeben. In ein flauschig gepolstertes «Urlaubszuhause», samt «Baby-Komplett-Ausstattung» und «Verwöhnpension». Es sind Tage und Nächte in einer verzerrten Realität. Die Eltern am Nebentisch stellen ihre Sprösslinge während der Mahlzeiten mit zwei iPads ruhig – es gibt keine feigere Art, als Familie Ferien zu machen.

Und wir? Die Kleinen maulen zum Glück nicht, weil ihre «Splash World» jetzt wieder Badewanne heisst, und weil es statt Pasta-Variationen nur noch Nudeln gibt. Und in den nächsten Herbstferien trampen wir zu viert mit dem Zelt durch den Dschungel, versprochen!