«Die Bestechung gab es nicht»

Einer der reichsten Briten steht in München vor Gericht: Bernie Ecclestone, der Formel-1-Macher. Die Anklage wirft ihm vor, einen ehemaligen Bankvorstand mit 44 Millionen Dollar bestochen zu haben.

Fritz Dinkelmann
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Der 83jährige Formel-1-Chef Bernie Ecclestone bestreitet die Vorwürfe. (Bild: ap/Matthias Schrader)

Der 83jährige Formel-1-Chef Bernie Ecclestone bestreitet die Vorwürfe. (Bild: ap/Matthias Schrader)

Nein, ein Sportsmann ist er nicht und Fairplay gehört vermutlich nicht zu seinem aktiven Wortschatz. Bernie Ecclestone ist Geschäftsführer der Formel 1 oder deutlicher gesagt: er ist die Formel 1. Ohne ihn gäbe es das sonntägliche Motorengejaule nicht, ohne ihn wären Michael Schumacher und Sebastian Vettel nie Weltmeister geworden und kein Mensch würde andere Grosse kennen: Niki Lauda, Ayrton Senna, Fernando Alonso – weil es ohne Ecclestone keinen Formel-1-Zirkus gäbe, ohne den wohl mächtigsten Zirkusdirektor der Welt.

Ein Dank an den Richter

Ein vielbeschäftigter Mann ist er, und so bedankte er sich vor dem Prozess bei Peter Noll, dem Richter, vor dem er sich wegen Bestechung und Anstiftung zur Untreue in einem besonders schweren Fall verantworten muss: «Der Richter war sehr freundlich. Ich muss immer nur wenige Tage in München sein, so dass ich weiter zu den Rennen gehen kann.» Tatsächlich wurden die Verhandlungstage in diesem bis September dauernden Verfahren so terminiert, dass sie Grand-Prix kompatibel sind. Juristisch ist das bedeutungslos und im übrigen muss der 83-Jährige befürchten, dass der höfliche Richter letztlich ein Urteil fällen könnte, das mehr als ein Boxenstop wäre für den Angeklagten. Zehn Jahre Haft als Maximalstrafe drohen, und unfreundliche Hinweise darauf, dass Richter Noll ihn für lange Zeit aus dem Rennen nehmen kann, die gibt es.

Von Ecclestone geschmiert

Im Sommer 2012 verurteilte eben dieser Richter den Banker Gerhard Gribkowsky wegen Bestechlichkeit zu achteinhalb Jahren Haft. Der Verurteilte hatte ausgesagt, von Ecclestone mit 44 Millionen Dollar geschmiert worden zu sein, damit er als einstiger Risikovorstand der BayernLB dafür sorge, dass die Formel 1 nicht in falsche Hände gerät, also in andere. 2002 wurde die bayrische Landesbank nämlich wichtigster Anteilseigner der Formel 1, nachdem die BayernLB nach der Pleite des Kirch-Imperiums fast 50 Prozent der Formel-1-Anteile geordert hatte.

Er will seine Unschuld belegen

Ecclestone wünschte sich, dass diese Anteile an den britischen Finanzinvestor CVC Capital Partners verkauft werden. Fakt ist: Sein Wunsch wurde erfüllt und der neue Investor blieb, was er war: allmächtiger Dirigent des rasenden Milliarden-Geschäfts Formel 1. Damals, im Prozess gegen den Banker, sagte Ecclestone als Zeuge aus, jetzt ist es umgekehrt. Nun ist er der Angeklagte, und am 9. Mai wird Ex-Bankvorstand Gribkowsky als Zeuge gegen ihn aussagen. Vor einem Richter, der damals bei der Urteilsverkündung sagte, Ecclestone habe den Banker «ins Verbrechen geführt». Nur logisch also, dass dieser jetzt wegen Bestechung verurteilt wird? So einfach funktioniert Justiz nicht. In einer von seinen Verteidigern vorgetragenen persönlichen Erklärung bezeichnete Ecclestone gestern die Anklageschrift als «unzutreffend, irreführend» und «unschlüssig». Die behauptete Bestechung habe es nicht gegeben. Er kündigte an, seine Unschuld zu belegen mit «Dokumenten, die der Kammer bisher nicht vorliegen». Gribkowsky habe «in entscheidenden Punkten die Unwahrheit gesagt».

Die Strategie seines Verteidiger-Teams ist offenbar, die Ausgangslage umzudrehen: danach wäre Ecclestone nicht der geldwedelnde Verführer gewesen, sondern ein von Gribkowsky erpresster Milliardär, der fürchtete, von diesem bei den britischen Behörden wegen Steuerbetrugs angezeigt zu werden.

Heiterkeit im Gerichtssaal

Familienstand? In der Anklageschrift steht «geschieden». Stimmt, sagt Ecclestone. «Ich dachte, sie wären verheiratet?», fragt der Richter. Heiterkeit im Gerichtssaal, als der Angeklagte ironisch bemerkt, an die Scheidungen erinnere er sich gerne, doch jetzt sei er verheiratet. Diese Justiz, dieser Zirkus. Vor dem Prozess hatte sich Ecclestone dazu so geäussert: «Das Ganze ist doch nur so ein sehr kleiner Teil meines Lebens. Es sollte eigentlich keine Rolle spielen. Aber im Moment kostet es mich sehr viel Zeit.»