Die Banane hat einen üblen Pilz

Nicht zum ersten Mal bedroht eine Pilzkrankheit die vorherrschende Bananensorte. Forscher arbeiten an Alternativen. Ziel wären neue, widerstandsfähige Sorten – und eine grössere Vielfalt.

Juliette Irmer
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Sieht robust aus, ist aber eine ziemlich diffizile Frucht: Die Banane. (Bild: fotolia)

Sieht robust aus, ist aber eine ziemlich diffizile Frucht: Die Banane. (Bild: fotolia)

Bananen gehören heute so selbstverständlich ins Supermarktregal wie Äpfel und Kartoffeln. Die weltweit hohe Nachfrage hat ihren Preis: Exportbananen werden massenweise in Monokultur angebaut, was sie hochgradig anfällig macht für Krankheiten.

Die Panamakrankheit

Der derzeitige Schrecken aller Plantagenbesitzer heisst Tropical Race 4 (TR4). Der bodenlebende Pilz löst die sogenannte Panamakrankheit aus: Er befällt die Pflanzen über die Wurzeln und verstopft die Leitbahnen. Der Wasser- und Nährstofftransport versiegt, die Pflanze vertrocknet. Das Fatale an TR4: Es gibt kein Mittel gegen den Pilz. Einmal im Boden, bleibt er dort, denn TR4 bildet Sporen, die Jahrzehnte in der Erde überleben.

In Asien brach die Panamakrankheit Ende der 1990er-Jahre aus. Seit Jahren schon warnen Agrarexperten vor der Ausbreitung des Pilzes, seit einigen Monaten immer dringlicher: TR4 hat den Sprung aus Asien heraus geschafft und wurde in Afrika und vor ein paar Wochen in Nordaustralien nachgewiesen.

«Die Folgen wären verheerend»

Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) ist alarmiert und hat Anfang des Jahres einen Massnahmenkatalog zur Rettung der Banane verabschiedet. «Treffen wir keine Vorkehrungen, ist die Ausbreitung von TR4 unvermeidlich. Die Folgen wären verheerend», sagt der FAO-Pflanzenschutzexperte Fazil Dusunceli.

Gehandelt wird auch deswegen so entschlossen, weil sich die Geschichte zu wiederholen scheint: Zu Beginn des 20. Jahrhunderts breitete sich die Panamakrankheit schon einmal in Lateinamerika aus. Dem Pilz fiel die vorherrschende Sorte Gros Michel zum Opfer. Nach und nach mussten Plantagenbesitzer sie durch die Sorte Cavendish ersetzen: kleiner, weniger schmackhaft und wegen ihrer dünneren Schale empfindlicher beim Transport – aber: resistent gegen den Pilz.

99 Prozent unserer Supermarktbananen gehören der Cavendish-Sorte an. Doch die einst widerstandsfähige Cavendish erliegt nun ebenfalls der Panamakrankheit, die nun der neue Pilzstamm TR4 auslöst. Ein Déjà-vu mit einem gravierenden Unterschied: Anders als damals existiert keine TR4-resistente Ersatzbanane.

«In höchstem Masse anfällig»

Obwohl weltweit intensiv an neuen, krankheitsresistenten Bananensorten gearbeitet wird. Immerhin setzt der Bananenhandel jährlich 33 Milliarden Euro um. Doch die Zucht der gelben Früchte ist eine Kunst für sich. Wildbananen haben Samen so gross wie Erbsen und so hart wie Stahl. Kulturbananen aber vermehren sich ohne Sex. Ihr Pollen ist steril. Ihre Blüten werden also nicht befruchtet und bilden deswegen keine Samen. Trotzdem bilden die Blüten Früchte – ein Phänomen, dass man Jungfernfrüchtigkeit nennt.

Bananen vermehren sich durch Schösslinge, sie klonen sich sozusagen. Das bedeutet: Alle Bananenpflanzen, egal, auf welchem Erdteil sie wachsen, sind genetisch identisch. «Das macht den Bananenanbau in höchstem Masse anfällig für Krankheiten wie TR4», sagt Altus Viljoen, Pflanzenpathologe und TR4-Experte an der Universität Stellenbosch in Südafrika.

Züchten ist schwierig

Aufgrund ihrer Fortpflanzungsweise lassen sich neue Eigenschaften in Kulturbananen nur schwer erzeugen. «Kreuzt man andere Bananensorten ein, schmecken die Hybride nicht wie die gewohnte Cavendish – das schätzen Konsumenten nicht. Und krankheitsresistente Pflanzen bilden häufig weniger Früchte - das wiederum schätzen Züchter nicht», sagt Viljoen. Hinzu kommen Ansprüche an Lager- und Transportfähigkeit der Früchte. Auch Gentechniker versuchen sich an der Bananenzucht. Doch bislang ohne Ergebnis. «Seitens der Gentechniker wurde seit den 1990er-Jahren viel versprochen. Aber die Entwicklung krankheitsresistenter Bananen ist offenbar auch mit Hilfe der Gentechnik nicht einfach», sagt Agustin Molina der Agrarforschungseinrichtung Bioversity International.

Auf Artenvielfalt setzen

Um den Bananenanbau aber weniger anfällig zu machen, müssen sich langfristig die Anbaumethoden ändern. Statt genetisch gleiche Bananen in Monokultur anzubauen, muss auf Artenvielfalt und genetische Variabilität gesetzt werden. Kleinbauern beherzigen das bereits: «Sie pflanzen verschiedene Bananensorten und Getreide an und sind nicht so stark von TR4 betroffen», erklärt Fazil Dusunceli. «Weltweit werden viele, sehr schmackhafte Bananen angebaut, die in keinem Supermarkt zu kaufen sind», bestätigt Altus Viljoen.

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