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Die Alternative ennet dem Rhein

Im Fürstentum Liechtenstein bewirtschaften vier professionelle Kellereien und rund hundert Hobbywinzer 25 Hektaren Rebberge. Doch diese Miniszene strotzt vor Vitalität und Vielfalt.
Beda Hanimann
Der Weinbau war im Fürstentum Liechtenstein einmal einer der wichtigsten landwirtschaftlichen Zweige. (Bild: Ralph Ribi (Vaduz, 19. Oktober 2016))

Der Weinbau war im Fürstentum Liechtenstein einmal einer der wichtigsten landwirtschaftlichen Zweige. (Bild: Ralph Ribi (Vaduz, 19. Oktober 2016))

Es gibt in Vaduz einen Abtswingert, einen Torkelplatz, einen Wingertweg und eine Winzergass. Gegen dreissig solcher Flurnamen mit Weinbezug listet Mathias Ospelt in seinem Buch «Weintradition in Liechtenstein» auf, in andern Dörfern wie Eschen, Mauren oder Triesen ist die Liste ähnlich lang. Das zeigt, wie präsent der Weinbau im Fürstentum Liechtenstein einmal war. Und wie weit seine Geschichte zurück reicht. In Balzers, der südlichsten Gemeinde, sind bereits im Jahr 842 Rebberge bezeugt.

Die Hauptprodukte Liechtensteins seien Heu und Wein, hielt der Landvogt Josef Schuppler 1815 in seiner «Landesbeschreibung» fest. Noch fünfzig Jahre später betrug die Rebfläche eindrückliche 320 Hektaren. Dann aber setzte – wie auch in den meisten Schweizer Weingebieten – der grosse Niedergang ein, bedingt durch Rebkrankheiten und sich ändernde wirtschaftliche Bedingungen. Bis 1900 schrumpfte die Fläche auf sechzig Hektaren. In der Broschüre «Liechtenstein in Zahlen 2016» des Amts für Statistik kommt das Stichwort «Weinbau» nicht einmal mehr vor.

Der Föhn ist auch ennet dem Rhein der Hauptfaktor

Bei einer landwirtschaftlichen Nutzfläche von 3500 Hektaren fallen die gut 25 Hektaren Rebfläche statistisch tatsächlich nicht ins Gewicht. Doch dieser Mikrobereich ist von einer erstaunlichen Vitalität. Auf der Hälfte der Anbaufläche produzieren rund hundert Hobby- oder Nebenamtwinzer Wein, die andere Hälfte wird von vier professionellen Kellereien bewirtschaftet: der Hofkellerei des Fürsten von Liechtenstein in Vaduz, dem Weingut Hoop und dem Weingut Castellum von Hubert Gstöhl in Eschen sowie Harry Zechs Cantina in Schaanwald. Der Weinbau im Fürstentum Liechtenstein ist also im Vergleich zum auch schon kleinzelligen Weinbau im benachbarten St. Gallen noch eine Stufe kleinparzelliger strukturiert.

Klimatisch sind die Bedingungen vergleichbar mit jenen im St. Galler Rheintal und in der Bündner Herrschaft. «Der Hauptfaktor ist auch bei uns der Föhn», sagt Simon Klocker, der Leiter der Fürstlichen Hofkellerei Vaduz. Ein minimer Unterschied ist die Tatsache, dass Liechtenstein eher Abendsonne, das Rheintal früher Morgensonne hat. «Bei Frost im Frühjahr kann das ein Vorteil sein, weil die zu abrupt einfallende Morgensonne in den Eiskristallen wie durch eine Lupe wirken und zu Verbrennungen an den Knospen und Trieben führen kann», sagt Klocker.

«Die Böden sind anders als im St. Galler Rheintal, eher vergleichbar mit der Bündner Herrschaft», sagt Harry Zech. Im Oberland, also in Balzers, Triesen und Vaduz, seien sie eher leicht, im Unterland dagegen lehmig und schwer. Ausserdem sei es im Oberland durchschnittlich ein bis zwei Grad wärmer. Im Gegensatz zu den typischen St. Galler Steillagen dominieren in Liechtenstein (wie in Graubünden) sanfte Hanglagen.

Die meisten Weine bleiben im Ländle

Die Kleinparzelligkeit findet ihre Entsprechung in einer angesichts der kleinen Fläche erstaunlichen Sortenvielfalt. Hubert Gstöhl kultiviert auf seinen gut vier Hektaren 15 Sorten, mit acht weiteren experimentiert er in seinem Versuchsgarten. «Man muss immer am Ball bleiben, ich setze gerne auf neue Sorten, auch pilzresistente Neuzüchtungen», sagt er. Auch Uwe Hoop spricht das breite Sortenspektrum an. Hauptsorten sind wie auf der anderen Rheinseite die traditionellen Pinot noir und Müller-Thurgau, aber auch Merlot, Regent, Léon Millot, Chardonnay, Weissburgunder oder Rheinriesling würden angebaut. «Wir sind sehr breit aufgestellt, insgesamt werden in Liechtenstein 40–45 Sorten angebaut», sagt Hoop.

Verkauft wird der Liechtensteiner Wein vornehmlich im Ländle selbst. Die Angaben der Winzer gehen von drei Vierteln bis zu 98 Prozent Eigenkonsum. Die Olma mit dem Fürstentum als Ehrengast erweist sich da als schöne Gelegenheit, diese Zahlen etwas zu drücken.

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