Dialekte machen schlau

Mehrsprachigkeit wird eine Reihe positiver Effekte zugeschrieben, zum Beispiel ein besseres Gedächtnis. Ähnlich könnte sich das Wechseln zwischen verschiedenen Dialekten auswirken.

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In einer Studie untersuchten Forscher die kognitiven Fähigkeiten von griechischen Kindern. Sie wachsen zum Teil sowohl mit Standard-Neugriechisch als auch zypriotischem Griechisch auf, zum Teil mit nur einer Sprache. Dabei zeigte sich, dass die Kinder mit mehreren Dialekten oder Sprachen besser in Gedächtnis– und Aufmerksamkeitstests abschnitten als die einsprachigen.

Andere Faktoren berücksichtigt

Die Kinder sollten beispielsweise kurze Zahlenfolgen in umgekehrter Reihenfolge wiedergeben. Ein Test, der die Fähigkeit prüft, Information im Gedächtnis zu behalten und zu manipulieren.

Faktoren wie Unterschiede im Lebensstandard, in der Sprachfähigkeit und allgemeinen Intelligenz der Kinder seien bei der Analyse berücksichtigt worden, schrieb Studienautor Napoleon Katsos von der University of Cambridge.

In Norwegen bestätigt

Die im Fachjournal «Cognition» erschienene Arbeit führte er gemeinsam mit Kollegen der Universität und Technischen Universität Zypern durch. Bereits eine im August 2015 veröffentlichte Studie mit norwegischen Schulkindern hatte ähnliche Hinweise geliefert: Dabei hatten Forscher die Schulleistung von Kindern untersucht, die in zwei norwegischen Dialekten zu schreiben lernen. Gemäss Daten von standardisierten nationalen Tests – darunter Tests in Lesen und Arithmetik – schnitten diese Kinder besser ab als der nationale Durchschnitt.

Systematisch zwischen zwei Formen von Sprache zu wechseln, auch wenn sie sich sehr ähnlich seien, scheine dem Gehirn zusätzliche Stimulation zu liefern, was zu besseren geistigen Leistungen führe. «Was unsere Forschung zeigt – im Gegensatz zu einigen weit verbreiteten Annahmen – ist, dass Sprachvielfalt ein Vorteil ist und in dieser Beziehung Dialekte unterschätzt werden», erklärt Katsos.

Über die Wirkung von Mehrsprachigkeit wurde hingegen schon viel geforscht. Je nach Kontext und Gesprächspartner zwischen mehreren Sprachen zu wechseln, erhöht Studien zufolge die Aufmerksamkeit und verbessert das Gedächtnis.

Weltweite Verbreitung

Ein ähnlich gutes Training könnte der Wechsel zwischen Dialekten dem Gehirn bescheren. Der Gebrauch von verschiedenen Dialektformen der gleichen Sprache ist weltweit stark verbreitet. Nicht nur in der Deutschschweiz wechseln die Kinder zwischen Schriftdeutsch und Mundart.

Katsos will nun mit Forschern der Universität Brüssel die Untersuchung auf die in Belgien gesprochenen Dialekte und Sprachen ausweiten. (sda)