Design-Ikone für den Abwasch

Es war in einem dieser Läden, wie es sie in angesagten Stadtvierteln auf der ganzen Welt gibt. Grosse Fenster, weisse Wände, darin auf Betonsockeln ein paar wenige ausgewählte und gut ausgeleuchtete Design-Trouvaillen. Dort eine elegante lange Halskette, hier eine Lampe eines skandinavischen Labels.

Katja Fischer De Santi
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Yellow line notepad with pen on top isolated on a white background. (Bild: Katja Fischer De Santi)

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Es war in einem dieser Läden, wie es sie in angesagten Stadtvierteln auf der ganzen Welt gibt. Grosse Fenster, weisse Wände, darin auf Betonsockeln ein paar wenige ausgewählte und gut ausgeleuchtete Design-Trouvaillen. Dort eine elegante lange Halskette, hier eine Lampe eines skandinavischen Labels.

Doch dann mittendrin diese Flasche. Oranger Plastik mit wohlbekanntem weissen Schriftzug. Die Hamburger Verkäuferin erklärt, dass es sich um ein Qualitätsprodukt aus der Schweiz handle, die Flasche eine Design-Ikone sei. Auch der Name sei einfach toll: «Handy», auf so was könnten ja nur die Schweizer kommen. Als man sich selbst als Schweizerin zu erkennen gibt, vergeht der Verkäuferin das Lachen ziemlich abrupt.

Aber eigentlich hat sie recht. «Handy» steht schon seit 50 Jahren wie ein Leuchtturm der Sauberkeit in Schweizer Küchen. Die Migros selbst nennt ihr «Handy» ein «Kult-Produkt». Es hat einen eigenen Facebook-Eintrag und jede Menge euphorischer Fans: «Meine Mutter hat schon mit Handy abgewaschen und ich tue es auch.» Die Gestaltung der Flasche wird von den Fans zwar eher bemängelt, aber so manche «Design-Ikone» wird vom gemeinen Volk nicht als solche erkannt.

Seit ich mein Spülmittel in diesem schicken Laden hab stehen sehen und mir versichert wurde, dass Menschen bereit sind, dafür sechs Euro zu bezahlen, kaufe ich aus Überzeugung für 1.80 Franken mein «Handy». Die kleinere «Handy Power»-Flasche lasse ich stehen, sie ist mir viel zu modern.