Der Weg nach oben

Corteo Der Cirque du Soleil zeigt den Traum eines Clowns von seiner eigenen Beerdigung und Hühner, die vom Himmel regnen.

Caspar Hesse/Zürich
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Grenzenlos schwebt und fliegt alles: das Bett, der vermeintlich Gestorbene mit seinen frisch erhaltenen Flügeln, sekundiert von Engeln. (Bild: ky/Walter Bieri)

Grenzenlos schwebt und fliegt alles: das Bett, der vermeintlich Gestorbene mit seinen frisch erhaltenen Flügeln, sekundiert von Engeln. (Bild: ky/Walter Bieri)

«Ich habe von meinem eigenen Begräbnis geträumt.» So beginnt die Show «Corteo» des Cirque du Soleil, die heute abend in Zürich Premiere feiert. Sie beginnt ein wenig zu chaotisch und laut, ein Engel wird wie wild an Seilen heruntergelassen und wieder heraufgezogen, schon vor dem Beginn ziehen die Protagonisten durch den Zuschauerraum zur Bühne… Etwas unnötig viel Klamauk und Vorlauf für ganz vieles, was dann ja noch folgt und wirklich gut ist.

Was hat das alles mit Zirkus zu tun? Das angekündigte «Grand Chapiteau» ist ein Zirkuszelt. Zu beiden Seiten der Manege, die mit schmalen Zu- und Abgängen das Rund des Zirkus teilt, sitzt das Publikum.

Auch in Pferden sind Menschen

Die Tiere fehlen, bis auf zwei Pferde, aber da stecken auch Menschen drin. Im wesentlichen wird Akrobatik geboten, an mehreren Reckstangen, an denen die kräftigen Körper auch mal fliegend die Positionen tauschen, auf einem einzigen langen, schmalen Trampolin, das quer durchs Zelt führt und über dem auf drei Stangen Männer stehen, die sich Frauen zwischendurch zuwerfen.

Der Träumer fährt mit seinem Velo unter der Kuppel durch, immer wieder schweben Engel vorüber, ein Clown balanciert auch mal kopfüber auf dem Seil. «Meine Grossmutter riet mir, nie auf den Boden zu sehen, sondern nur nach oben. <Corteo> ist eine Show, die nach oben sieht», sagt dazu der Regisseur, Daniele Finzi Pasca: «Es kann manchmal gut tun, sich sein eigenes Begräbnis vorzustellen. Das inspiriert einen, weiterzumachen, den Weg fortzusetzen, der ja eigentlich nur eine lange Heimreise ist.»

Absurder Humor

Eine Geschichte wird trotz der Rahmenhandlung nicht erzählt. Dass bei den vier Akrobatinnen an den drei Kronleuchtern «frühere Geliebte wie in einem zeitlosen Traum erscheinen», darauf kommt man als Betrachter nicht, ohne dass es einem das Programmheft erklärt.

Aber es spielt ja auch keine Rolle. Neben dem Staunen über das Können gehört im Zirkus auch der Humor dazu, und der ist herrlich abstrus: wie bei der Minigolf-Szene, bei der der Ball der Kopf einer Frau ist, die aus dem Boden schaut. Absurd sind auch das «Teatro intimo» mit den beiden Kleinwüchsigen, die Hühner, die es immer mal wieder vom Himmel regnet, oder die ferngesteuerten leuchtenden Augen auf Metallgestell mit Rädern.

Der «Cirque du Soleil» entstand 1982 in Kanada. Erste Touren führten durch Nordamerika, 1990 fanden erste Shows in Europa statt. Das Programm «Corteo» wurde 2005 uraufgeführt.

Zürich, Hardturm, bis 7. Oktober. www.cirquedusoleil.com

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