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Der verrückte Finne und sein schnaufendes Tier

Die Mads Hanson Kapel mit Adrian Würsch (Zweiter v. l.) und Christopf Pfändler (Mitte).

Die Mads Hanson Kapel mit Adrian Würsch (Zweiter v. l.) und Christopf Pfändler (Mitte).

Antti Paalanen Ein Mann mit ergrautem Langhaar und Brille sitzt auf der Bühne der Grabenhalle. Auf seinem Schoss ruht, wie ein zusammengekauertes Tier, ein schwarzes Akkordeon. Kirchengeläut ertönt. Der Mann zieht sein Akkordeon aus, zieht und zieht, so weit seine Arme reichen. Er lässt das schwarze Tier tief einatmen, presst es wieder zusammen und stösst dabei einen Urschrei aus, dass es von den Wänden schallt. Antti Paalanen hat sein Konzert begonnen. Es wird ein Highlight des diesjährigen Festivals werden. Der Finne röchelt, er grummelt, er schreit und ächzt in einer Sprache, die nicht von dieser Welt scheint. Er pumpt seine «Breathbox» zuerst gemächlich, dann immer schneller warm. Er verfolgt zu Beginn minutenlang hypnotisch eine einzige Tonspur, spannt die Aufmerksamkeit des Publikums bis aufs Äusserste – einige drehen sich schon überfordert zur Bar ab – um die gesammelte Energie dann knurrend, brüllend abzulassen.

Antti Paalanen gehört in Finnland, wo das Akkordeon ein Nationalinstrument ist, zu den kreativsten und durchgeknalltesten Talenten der modernen akustischen Musik-Szene. Neben seiner Solokarriere wirkt er in zahlreichen Folkprojekten mit. Ständig entwickelt er neue Spieltechniken, bringt sich und sein Instrument an die Grenzen des Mach­baren.

Antti Paalanen singt nicht, er knurrt und stöhnt

Im Song «Judgement» etwa lässt er sein Akkordeon fast wie eine Orgel klingen, bis er wieder zu singen – nein, zu knurren beginnt. «I need no gym», ruft er ins Publikum, «I play the harmonika.» Paalanen geht es um Kraft und Energie. ­ AC/DC bezeichnete er einst als seine Lieblingsband. Die gleiche zwingende Power wie die australischen Hardrocker wolle er bei seinen Konzerten rüberbringen. Streckenweise gelingt ihm das sogar, notabene ganz alleine. Der Finne mischt heimische Folklore mit Heavy Metal, Tango und Blues. Betulich wird es bei ihm nie, leise kann er jedoch auch. kurze Phrasen wie «We Wanne Make Some Noise – Haluamme Tehdä Meluta» genügen ihm als Text für einen ganzen Song. Das Akkordeon fliegt, stolpert, hastet, tangot oder walzert. Paalanen schnauft und schreit. Stampft mit dem Fuss stoisch den Beat – und die Halle stampft und brüllt mit. Nach 45 Minuten ist der Spuk vorbei. Das schwarze Tier schläft wieder ein, und Paalanen verspricht wiederzukommen.

Katja Fischer De Santi

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