Der Überflieger

Der Überflieger «Ich träumte vom Fliegen, da konnte ich noch nicht einmal gehen», sagt Carlo Schmid über seine Leidenschaft, die ihm nun einen Weltrekord einbringen könnte: Der 22jährige Zurzacher will als jüngster Pilot die Erde im Alleinflug umrunden.

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Carlo Schmid faszinierte das Geschehen auf Rollfeldern schon als kleiner Junge.

Carlo Schmid faszinierte das Geschehen auf Rollfeldern schon als kleiner Junge.

«Ich träumte vom Fliegen, da konnte ich noch nicht einmal gehen», sagt Carlo Schmid über seine Leidenschaft, die ihm nun einen Weltrekord einbringen könnte: Der 22jährige Zurzacher will als jüngster Pilot die Erde im Alleinflug umrunden. Wenn alles weiter nach Plan läuft, wird er am kommenden Samstag nach 80 Tagen und 40 000 Kilometern Flug in Dübendorf aufsetzen. Inzwischen hat der junge Pilot schon 43 Städte in 21 Ländern mit seinem einmotorigen Kleinflugzeug angeflogen und dabei über 108 Stunden in der Luft verbracht. Bis auf kleine Komplikationen wie teilweise ausfallende Funkverbindung verlief der Flug problemlos.

Einen Traum verwirklicht

Die Liebe zum Fliegen hatte sich schon früh abgezeichnet: Schmid wuchs in unmittelbarer Nähe zum Zürcher Flughafen in Kloten auf. Schon als Kleinkind faszinierte ihn das Geschehen auf den Rollfeldern. Sein Vater, selbst begeisterter Segelflugpilot, nahm ihn oft mit zur Anflugschneise, um die Starts und Landungen der grossen Flugzeuge zu bestaunen. Mit elf Jahren durfte er schliesslich das erste Mal mitfliegen – das war ein prägender Augenblick für den künftigen Piloten.

In Winterthur erlernte er einige Jahre später selbst das Segelfliegen und erlangte als 16-Jähriger die Segelfluglizenz. Kurz danach hatte er auch das Brevet für Privatpiloten in der Tasche. Während seiner kaufmännischen Berufslehre machte er ebenso zielstrebig weiter. Schmid nahm sein Mittagessen von zu Hause mit, verdiente sich mit Nebenjobs noch zusätzliches Geld und verzichtete auf so manchen Drink im Ausgang. Er wollte seine volle Konzentration auf jenes Projekt richten, das er schon als Jugendlicher zu planen begonnen hatte: die Weltumrundung. Nachdem seine Mutter 2010 an Krebs verstarb, machte sich der damals 20-Jährige auch Gedanken zu seinem eigenen Leben und steckte sich hohe Ziele. Er entschloss sich, die Planungen für den Weltrekordversuch weiterzuführen – aber fortan sollte dieses Projekt ihr gewidmet sein und einem guten Zweck dienen. «Sie motivierte und begeisterte mich immer mit ihrem Willen und Durchhaltevermögen – ihr Charakter war einzigartig», sagt Schmid.

Das Andenken der Mutter

Schliesslich kündigte er seinen Job bei der Bank und gründete die «RTW2012 GmbH», jene Projektgruppe, die seinen Flug um die Welt organisiert. Auch Formalitäten wie Überflugerlaubnisse und Einreisebewilligungen werden vom Kernteam aus der Schweiz vorbereitet.

Die Aufmerksamkeit, die Carlo Schmid durch den Rekordversuch weltweit zuteil wird, nutzt er, um Spenden zugunsten des Hilfswerks Unicef zu sammeln. Der Erlös soll Mädchenbildungsprogrammen in Indien zu- gute kommen. So trage er jeden Tag das Andenken an seine Mutter und ihre Grosszügigkeit weiter, ist Schmid überzeugt. «Vielleicht scheitere ich, aber aufgeben werde ich nie», sagt er. Seine Entschlossenheit hat ihn immer weitergetragen. Der Plan mit der Weltumrundung auf jeden Fall scheint aufzugehen. Rolf Hohl