Der Sprit des Fussballprofis

Der französische Arsenal-Profi Mathieu Flamini könnte bald der Fussballer mit dem grössten Vermögen sein. Und das hat nichts mit Fussball zu tun, sondern mit einem neuen Treibstoff.

Adrian Lobe
Drucken
Teilen

Fussballprofis gehören zu den bestbezahlten Sportlern. Doch nach der Karriere versiegt der Geldstrom, und so mancher Ex-Profi landet in der Schuldenfalle. Der clevere Kicker baut daher vor. Günther Netzer ist ein Beispiel dafür.

Erforschung eines Öl-Ersatzes

Einen Deal wie Mathieu Flamini hat aber bislang wohl noch keiner eingefädelt. Der französische Fussballprofi in Diensten von Arsenal London hat vor einigen Jahren in ein Biotechnologieunternehmen zur Erforschung eines Öl-Ersatzstoffes investiert. Wie der 31-Jährige kürzlich in einem Interview mit dem Boulevardblatt «The Sun» verriet, hat er das Unternehmen bereits 2008 kurz nach seinem Engagement bei der AC Mailand mit seinem Geschäftspartner Pasquale Granata gegründet.

Diese GF Biochemical hat sich auf die Produktion von Lävulinsäure spezialisiert, eine Chemikalie, die als Nebenprodukt von Zucker entsteht. GF ist nach eigenen Angaben die einzige Firma, die diesen Stoff in industriellem Massstab herstellen kann. Von Biokraftstoffen über Plastik bis hin zu Pharmazeutika könnte Lävulinsäure ein breites Anwendungsgebiet finden – und Flamini zu einem reichen Mann machen. Auf 31 Milliarden Franken wird das Marktvolumen geschätzt. Wissenschafter hatten im Rahmen eines EU-Forschungsprojekts vergeblich versucht, Biomasse in Lävulinsäure umzuwandeln. Flamini glaubt nun, die Erfolgsformel gefunden zu haben – obwohl er keine Ahnung von Chemie habe, wie er einräumte. Jedenfalls muss er so überzeugt gewesen sein, dass er mehrere Millionen Pfund in die Firma gesteckt hat. Flamini reizte das Risikoinvestment. «Wir sind Pioniere. Wir treten in einen neuen Markt ein», sagte er. «Es war eine Flucht. Eine Fussballkarriere ist von Aufs und Abs geprägt. Es machte meinen Kopf frei und half mir, über etwas anderes nachzudenken.» Flamini will im Milliardenmarkt um Öl-Ersatzstoffe kräftig mitmischen. Laut «Sun» beschäftigt die Firma 400 Mitarbeiter, 80 Angestellte tüfteln in den Labors von Caserta in Kampanien. In Los Angeles hat die GF Biochemical ihren Öl-Ersatzstoff offiziell patentieren lassen. In den USA soll demnächst auch eine eigene Dépendance eröffnet werden. Von dort aus plant Flamini nichts weniger als die Revolution des Treibstoffmarkts. Der Arsenal-Profi könnte finanziell bald Fussballer wie Cristiano Ronaldo oder Lionel Messi in den Schatten stellen.

Endgültige Berufung

Jetzt könne er doch gleich den FC Arsenal aufkaufen und die Öl-Scheichs zum Teufel jagen, twitterten Fans im Scherz. Um Geld gehe es ihm nicht, sagte Flamini. «Ich habe mich schon immer für die Natur interessiert und mich um Umweltschäden, den klimatischen Wandel und die globale Erwärmung gesorgt.» Mit 31 Jahren scheint er seine Berufung gefunden zu haben.