Der Sonne adieu sagen

Wenn auf Formentera die Sonne dem Horizont entgegenglüht, versammeln sich Menschen verschiedener Couleur an den Stränden: braungebrannte Durchtrainierte, bleiche andere, Aussteiger mit Rastas, Familien, Einheimische ebenso wie Touristen.

Diana Bula
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Bild: Diana Bula

Bild: Diana Bula

Wenn auf Formentera die Sonne dem Horizont entgegenglüht, versammeln sich Menschen verschiedener Couleur an den Stränden: braungebrannte Durchtrainierte, bleiche andere, Aussteiger mit Rastas, Familien, Einheimische ebenso wie Touristen. Sie tun alle das gleiche: Sie bestaunen den Lichtball und hoffen, dass er rot endet.

Auf dem 82-Quadratkilometer-Eiland gibt es keine weltbekannten Burgen, keine grossen Museen. Dafür Leuchttürme, Feigenbäume, türkisfarbenes Meer. Und eben, die Sonne. Schon den Hippies hat das gefallen. Sie kamen in den 1960er-Jahren hierher. Einige sind noch immer da. Sie sehen sich den Sonnenuntergang in einer kleinen Bucht mit Lieblingsmenschen an oder bei einem Bier in einer versteckten Strandbude. Wer es beschaulich mag, tut es ihnen gleich. Doch einmal sollte man sich ins Getümmel werfen: Der «Piratabus», eine Open-Air-Bar auf einem Felsen, sei eine Institution, und wer nicht dort gewesen sei, sei nicht auf der Insel gewesen, heisst es. Da steht man nun mit mindestens hundert Leuten, trinkt Mojito, wippt zur Musik, schaut in den Himmel. Es ist keine gestylte Masse wie auf Ibiza, hier läuft Rock statt Chill-out. Doch wenn die Sonne den Horizont berührt, dann erweicht das sogar Rockerherzen. Der Barkeeper legt eine andere CD ein. «Time to Say Goodbye» sülzen Andrea Bocelli und Sarah Brightman nun, während der Lichtball sich hinter eine Klippe schiebt. Mit den letzten Tönen verschwindet er. Applaus braust auf. Formentera ist klein, aber die Sonne ganz gross.

Andrea Bocelli/Sarah Brightman: «Time to Say Goodbye», Bocelli 1995