Der See, das Geräusch

Randnotiz

Diana Hagmann-Bula
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Nun sitzen sie wieder da, schauen, hören, verharren. Mit der Temperatur steigt die Zahl der Menschen, die sich am See erholen. Und die dazu nicht einmal Wurst und ein, zwei, drei Bier brauchen. Sondern nur dieses Blau, das so beruhigend wirkt. Und dieses Plätschern, das ertönt, wenn die Wellen am Ufer ankommen.

Ein White Noise ist der See also. Er verursacht ein Geräusch, das so monoton klingt, dass man darob gut einschlafen könnte. Die weissen Geräusche sind vor allem jenen bekannt, die kleine Kinder ins Land des Sandmännchens bringen wollen. Auf Blogs raten Mütter zu Apps, die australische Gewitter, leichten Regen aus Schweden oder Wind aus dem marokkanischen Atlasgebirge ins Schlafzimmer zaubern. Auf Youtube ertönt es ähnlich. Dass digitale Vogelstimmen manchen Mini-Welterkunder jedoch aufgeregt im Bett stehen statt träumen lassen, daran haben die White-Noise-Erfinder wohl nicht gedacht.

Ein greller Vogelschrei, ein keifender Affe, ein tosender Bach: Auch im Dschungel ist manchmal nicht an Schlafen zu denken, obwohl er zu den Lieblingsorten der White-Noise-Macher gehört. Der See kann ebenso laut sein. Blitzt und donnert es über dem sonst lieblichen Wasser, wühlt das auf statt zu beruhigen. Und plötzlich sitzen nur noch die Abenteurer da, schauen, hören, verharren.

Diana Hagmann-Bula

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