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Der Schmerz der Rothaarigen

Rote Haare stehen für Feuer, Leidenschaft und Rebellion. Und rothaarige Frauen wecken bei vielen Männern erotische Phantasien. Dennoch haben es etliche Rotschöpfe in der Kindheit schwer. Drei Betroffene erzählen.
Melissa Müller
Der 17jährige Ramon Preisig hat keine Probleme mit seinen rötlichen Haaren: «Meiner Freundin gefallen sie.» (Bild: Benjamin Manser)

Der 17jährige Ramon Preisig hat keine Probleme mit seinen rötlichen Haaren: «Meiner Freundin gefallen sie.» (Bild: Benjamin Manser)

Echte rote Haare haben einen Wow-Effekt. Regina Rüesch trägt ihr langes kupferrotes Haar gern offen. «Tolle Haare», bekommt die 31-Jährige oft zu hören. Das war nicht immer so. Als Kind wurde sie gehänselt. «Kupferdächli», «Hexe» und «Pumuckl» riefen ihr die Schüler nach. Auch Sprüche wie «Hat dein Vater Rost in der Röhre gehabt?» machten ihr zu schaffen. Dazu war sie ein wildes, vorlautes Mädchen – ganz dem Klischee der rebellischen Rothaarigen entsprechend. «Das hatte aber vielmehr mit meinen zwei älteren Brüdern zu tun, gegen die ich mich durchsetzen musste.»

Bloss ein bis zwei Prozent der Menschheit sind rothaarig. Spätestens in der Schule erfahren rothaarige Kinder, was es heisst, nicht wie alle anderen zu sein. Als Teenager färbte sich Regina Rüesch den Rotschopf rabenschwarz. Erst mit 20 begann die Projektleiterin einer Werbeagentur, sich mit ihrem Haar anzufreunden und stolz auf das Exklusive zu sein. Dazu hat sie noch blaue Augen – eine äusserst seltene Kombination.

Vom Outsider zur Femme Fatale

Rothaarige Menschen sind etwas Besonderes. Die roten Haare machen etwas mit einem, vielleicht weil sie so selten sind und Geheimnisse darum ranken. Viele Männer finden rothaarige Frauen sexy. Das hat Diana von Ow oft erfahren – eine grosse, grazile Frau mit roten Locken, die vor Energie und Witz sprüht. Sie hat grüne Augen und eine Haut wie Alabaster, die im Sommer von Sommersprossen übersät ist. «Sobald wir erwachsen sind, gelten wir plötzlich als Femme Fatale», sagt die 42jährige Journalistin. «Es gibt viele Männer, die auf meine Haare abfahren», sagt die St. Gallerin. Sogar im Beisein ihres Partners steuern manchmal fremde Männer auf sie zu und sagen bewundernd: «Ihre Haare sind wunderschön. Sorry, aber das musste ich jetzt einfach sagen.»

Spiessrutenlauf in der Schule

Die negativen Seiten hat auch sie durchgemacht. In der Schulzeit in Arbon musste sie leiden. «Ich war ein hässliches, schüchternes Kind mit roten Haaren. Das perfekte Mobbing-Opfer. Im Zeugnis stand: <Sie hat den Anschluss an die Klasse noch nicht gefunden>.» Sie sagt's ohne Bitterkeit, lacht sogar. Die Pubertät war besonders schlimm – «nicht wegen meiner Haare, sondern weil ich mich wegen meinen mozzarella-weissen Beinen schämte.» Sie trug auch bei 30 Grad lange Hosen und ging nicht in die Badi. Stets umgab sie sich mit älteren Freunden, denen ihre Haarfarbe egal war.

Der Schulweg glich für das hochgewachsene, schlaksige Mädchen einem Spiessrutenlauf. «In der Real haben sie mich vor und nach der Schule verprügelt.» Einmal traf sie ein Eis-Schneeball im Gesicht. «Der ganze Pausenhof hat gelacht.» Von da an schwor sie sich, «dass ich nie mehr so mit mir umspringen lasse». Diese Haltung bewirkte, dass die Mitschüler sie fortan in Ruhe liessen. «Ich lernte, selbstsicher aufzutreten, und habe das perfektioniert.»

Im Zirkus Anschluss gefunden

Damals lernte Diana von Ow Leute des Circus Royal kennen. Sie striegelte Pferde, mistete aus und half mit, das Zirkuszelt aufzustellen. In den Ferien reiste die Jugendliche mit durch die Schweiz. Im Zirkus fühlte sie sich wohl, «unter all den Sonderlingen». «Es ist besser, nicht so zu sein wie alle anderen», findet sie heute. Und fühlt sich wohl in ihrer Haut. «Ich war kein hübsches Kind. Aber nach 25 wurde dieses Kind immer hübscher, und ich begann, mit meiner Wirkung zu spielen», erzählt sie mit einem frohlockenden Lachen.

Rothaarige Männer scheinen es schwieriger zu haben. Was sich auch darin zeigt, dass einige ablehnten, die wir für den Artikel anfragten. Etwa ein Ostschweizer mittleren Alters, der mit Gram an die Schulzeit denkt. «Es war eine grausame Zeit. Ich wurde fertiggemacht und hatte wenig Selbstvertrauen.» Später fand er keine Freundin, weil er dauernd angepöbelt wurde. Einmal reiste er nach Irland. «Das war herrlich, weil es viele Rothaarige gibt. Plötzlich war ich nicht mehr der Einzige.» Sieht er einen anderen Rothaarigen auf der Strasse, spürt er ein unausgesprochenes Bündnis. «Wenn du rothaarig bist, ist da ein Schmerz, der sich einbrennt in Herz und Seele.»

Der 17jährige Ramon Preisig kennt die Probleme nicht. «Klar bin ich der mit den orangen Haaren und muss mir ab und zu dumme Sprüche anhören», sagt der Polymechaniker-Lehrling aus Flawil. «Aber meiner Freundin gefallen meine Haare.»

100 heisse rote Kerle

Dass rothaarige Männer begehrenswert sein können, will Modefotograf Thomas Knights beweisen. Auch er ist ein «Ginger», der die roten Haare einst verschämt unter der Kappe verbarg. Heute trägt er selbstbewusst einen fuchsroten Bart. Für ein Fotobuch hat er «100 heisse rote Kerle» abgelichtet. «Wenn rote Männerhaare ein Produkt wären, wären sie die uncoolste Marke des Planeten», sagte der Brite gegenüber dem «Spiegel». Das will er ändern. Sein Traum: «Ein rothaariger Bond.»

Hollywood hat kaum männliche rothaarige Helden. Im Gegensatz zu Schauspielerinnen wie Nicole Kidman, Tilda Swinton oder Julianne Moore. Doch es ist Besserung in Sicht. Der Brite Eddie Redmayne erobert die Leinwand mit roten Haaren und Sommersprossen. Auch Popsänger Ed Sheran, Queens-of-the-Stone-Age-Frontmann Josh Homme und Prinz Harry gehören zu den prominenten «Redheads». Diana von Ow ist überzeugt, dass Rothaarige besonders stark sind: «Weil wir uns behaupten müssen.»

«Als Frau wird es irgendwann cool, rothaarig zu sein»: Diana von Ow wird oft auf ihre Haare angesprochen. (Bild: Benjamin Manser)

«Als Frau wird es irgendwann cool, rothaarig zu sein»: Diana von Ow wird oft auf ihre Haare angesprochen. (Bild: Benjamin Manser)

Projektleiterin Regina Rüesch wird von ihren Arbeitskollegen liebevoll «Drache» genannt. (Bild: Urs Bucher)

Projektleiterin Regina Rüesch wird von ihren Arbeitskollegen liebevoll «Drache» genannt. (Bild: Urs Bucher)

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