Der Neue, souverän im engen Sakko

Sie haben es wahrlich nicht leicht, die lieben Damen und Herren Moderatoren des Schweizer Fernsehen. Da bereiten sie sich gründlich vor, feilen stundenlang an den phonetisch elegantesten Wendungen, belegen Sprechkurse und üben sich fleissig in anständigem Schweizer Hochdeutsch.

Katja Fischer De Santi
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Sie haben es wahrlich nicht leicht, die lieben Damen und Herren Moderatoren des Schweizer Fernsehen. Da bereiten sie sich gründlich vor, feilen stundenlang an den phonetisch elegantesten Wendungen, belegen Sprechkurse und üben sich fleissig in anständigem Schweizer Hochdeutsch. Und dann regen sich die Leute darüber auf, dass das Sakko zu eng und der Dreitagebart zu lang sei. So geschehen am Montagabend bei Arthur Honeggers Premiere als neuer Moderator bei «10vor10».

Dabei machte der ehemalige US-Korrespondent als Klapproth-Nachfolger eine gute Figur. Er erledigte seinen Job souverän. Für den einen oder die andere Gebührenzahlerin war dies allerdings schon wieder zu souverän, ergo also arrogant. Und auch zu jung sei dieser Neue (dessen Dreitagebart mehr grau als schwarz schimmert), war in den Onlineforen mehr als einmal zu lesen. Komisch nur, dass dieses Argument bei seiner Moderationskollegin Andrea Vetsch, welche gerade mal drei Jahre älter ist als Honegger, nie gefallen war. Wir lernen daraus, dass im Fernsehen alte Frauen und junge Männer diskriminiert werden – niemals aber umgekehrt,

Einer Kritik müssen wir uns aber doch anschliessen. Dass der gute Arthur Honegger, noch während des Abspanns der Sendung, zu seinem Smartphone griff, finden sogar wir, die wir an grauen Dreitagebärten und engen Sakkos durchaus Gefallen finden, unprofessionell.