Der neue Lieblingsfeind

In-Bloggerinnen verzichten ganz auf Zucker, die Weltgesundheitsorganisation hat die Richtmenge runtergesetzt und die Schweizer Politik will weniger gesüsste Cornflakes und Joghurts. Süssstoffe wie Stevia bekommen da Aufwind.

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Apfel oder Lolli: Weil wir Süsses so sehr mögen, entscheiden wir uns eher für den Lolli. (Bild: fotolia)

Apfel oder Lolli: Weil wir Süsses so sehr mögen, entscheiden wir uns eher für den Lolli. (Bild: fotolia)

Daheim ernährten sie sich nur von Selbstangebautem. Doch irgendwann zog Sarah Wilson in die Stadt. Und dort passierte es: Sie erlag dem Zucker. «Ein Cocktail aus Teenagerhormonen, dem leichten Zugang zu Einkaufszentren und Lebensmittelläden und einer kindlichen Freude an Lebensmitteln, die ich vorher nicht bekommen hatte, führte dazu, dass ich ganz verrückt nach Zucker wurde», schreibt die Australierin, die als Journalistin, Restaurantkritikerin und Gesundheitscoach arbeitet, in ihrem Buch.

Früher machte Zucker durchaus Sinn. Er bedeutete Energie, sie war nötig für das Leben als Jäger. Doch Zucker fand sich höchstens ab und zu, in ein paar Beeren, frisch vom Strauch. Auch heute macht Zucker manchmal Sinn, wenn der Job stressig, die Laune der Mitarbeiter mies und das Wetter noch mieser ist. Ein, zwei Guezli, ein Stengel Schokolade oder ein anderes süsses Nervenfutter, schon sieht die Welt ganz anders aus. Statt wie die Jäger von damals den Körper zu fordern, fordern wir eher unser Gehirn, am Computer – dabei ist Zucker nun überall. Im Joghurt, in Bonbons, in Müsliriegeln. «Eins solcher kann gut mehr Zucker enthalten als eine ganze Tafel Schokolade», schreibt Wilson denn auch.

Eine Zimtschnecke in der Pause

Aus der Studentin, die den Tag an der Universität ohne Zimtschnecke in der Pause nicht überstand, ist eine Gesundheitsapostelin geworden – die unterdessen zuckerlos lebt. Und ihre Tips, wie das jedem ebenfalls gelingen soll, in ihrem Buch «Zuckerfrei glücklich in acht Wochen» weitergibt. «No sugar», nennt sich diese Bewegung, die immer mehr Anhänger findet. In der britischen «Vogue» berichtete eine Journalistin über ihren Selbstversuch. Fazit: Sie fühlt sich nun wunderbar. Und In-Bloggerinnen Jasmine und Melissa Hemsley aus England schwärmen über ihre Brownies ohne Zucker, über New York Cheesecake ohne Zucker. Auch die beiden haben sich einem Leben ohne Zucker verschrieben.

Nun kommt Stevia

Zucker macht gerade harte Zeiten durch. Er gilt als Feind im Essen, als böse und hinterhältig. Gute Zeiten hingegen für Süssstoffe wie Stevia. Dieser wird als natürlicher Süssstoff angepriesen; Die Steviolglycoside, mit denen etwa Coca-Cola Life gesüsst ist, werden in langen chemischen Prozessen aus den Blättern der südamerikanischen Pflanze extrahiert. Doch ist er tatsächlich bedenkenlos konsumierbar?